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„Man vergisst nicht, wie man schwimmt“ von Christian Huber

von Marie
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Beitragsbild zu Man vergisst nicht, wie man schwimmt von Christian Huber

Wenn ich aus dem Fenster sehe, scheint der Sommer weit weg. Es regnet und stürmt, das Thermometer zeigt gerade mal 3 Grad an – immerhin plus 3 Grad. Wie gut, dass ich mich wenigstens literarisch an einen wärmeren Tag versetzen lassen kann. So ein Buch ist Man vergisst nicht, wie man schwimmt von Christian Huber.

Ein Tag im August

Der Roman spielt am 31. August 1999 in einem kleinen Ort in Bayern, einem Tag, der für den fünfzehnjährigen Pascal alles verändert. Eigentlich wollte er nur einen entspannten Sommertag mit seinem besten Freund Viktor verbringen. Doch dann wird er von einem rothaarigen Mädchen namens Jacky umgerannt und erlebt einen Tag fast wie im Film.

Sommerliches 90er Jahre-Gefühl

Christian Huber führt den Leser in die 1990er Jahre und lässt mit wenigen Worten eine entsprechende Stimmung entstehen. Nach kurzer Lesezeit war ich selbst wieder Teenager in den 90er Jahren, hörte die damals aktuelle Musik (die übrigens auch als Tracklist hinten im Buch verzeichnet ist) und sah Krügers Besitz wie einen Game Boy oder einen Eastpak-Rucksack vor mir. Die ständige Nennung vieler bekannter Markennamen hilft dabei zwar, ein bestimmtes Bild zu erzeugen, ist zwischendurch aber auch etwas ermüdend.

Davon abgesehen habe ich diese Sommergeschichte bereits nach wenigen Seiten genossen. Christian Huber hat sympathische Charaktere geschaffen, denen ich gerne durch diesen flirrenden Sommertag gefolgt bin. Im Mittelpunkt steht Pascal, der von allen nur Krüger genannt wird und der ein großes Geheimnis verbirgt: Ein Geheimnis, wegen dem er nicht mehr schwimmen geht und sich auf keinen Fall verlieben darf.

KLICK MICH, um den Spoiler zu lesenDa ich sehr viele Horrorfilme aus den 80ern/90ern gesehen habe, war mir relativ schnell klar, warum Pascal „Krüger“ genannt wird. Da aber das „Warum“ weiter im Raum stand, empfand ich dieses Wissen nicht als störend.

Krügers Vorhaben gerät ins Wanken als er Jacky trifft. Sie haut ihn schon beim ersten Anblick um, wortwörtlich, denn bei ihrem ersten Zusammentreffen jagt sie mit Diebesgut aus einem Laden raus und stößt dabei mit Krüger zusammen. Jacky ist so vieles, das er nicht ist. Mutig, selbstbewusst und voller Energie. Sie gehört einem Zirkus an, begeistert dort als Messerwerferin die Zuschauer. Dass der Zirkus nur noch diesen einen Tag in der Stadt ist, ist für Krüger Fluch und Segen zugleich.

Ein Tag wie ein Leben, Pascal. Und so viele Tage liegen noch vor uns. So viel Leben.

Seite 375

Sein Geheimnis und seine Ängste hat Krüger bisher lediglich seinem Notizheft anvertraut. Dort schreibt er kleine Geschichten hinein, die viel über ihn aussagen. Diese Geschichten finden sich auch im Roman wieder, was mir sehr gefallen hat. Als sich Krüger und Jacky letztlich ihre Geheimnisse anvertrauen, ist das ein wundervoller und emotionaler Moment.

Ein filmreifer Showdown

Die erste Liebe, das Jungsein auf dem Land, ein heißer Sommertag – das hätte mir vollkommen gereicht. Doch Man vergisst nicht, wie man schwimmt legt im letzten Drittel noch eine Schippe drauf und gipfelt in einem Showdown am Wasser, den ich übertrieben und damit einfach unnötig fand. Die Geheimnisse, die sowohl Krüger und Viktor als auch Jacky mit sich rumtragen, reichen für diese Geschichte vollkommen aus. Warum so ein actionlastige Szene eingebaut werden musste, ist mir schleierhaft. Zum Glück versöhnt das gelungene Ende mit diesem Spektakel.

Fazit

Man vergisst nicht, wie man schwimmt ist eine atmosphärische Sommergeschichte, mit tollen Charakteren, denen ich gerne durch diesen Augusttag gefolgt bin. Lediglich die wilde Wendung im letzten Drittel empfand ich als unnötig und störend.


Herzlichen Dank an dtv für das *Rezensionsexemplar*.

Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

1 Kommentar

"Schallplattensommer" von Alina Bronsky - Wörter auf Papier 6. April 2022 - 16:02

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