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„Marseille 1940“ von Uwe Wittstock

von Marie
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Rezension zu Marseille 1940 von Uwe Wittstock

Werbung: Herzlichen Dank an den C. H. Beck Verlag für das Rezensionsexemplar.

Marseille 1940 von Uwe Wittstock.
Am 15.02.2024 im C. H. Beck Verlag erschienen.
ISBN: 978-3-406-81490-7
351 Seiten mit 28 Abbildungen und 2 Karten

Im Jahr 2022 hat mich Uwe Wittstock mit Februar 33 begeistert und berührt. Umso gespannter war ich auf sein neues Buch Marseille 1940, vom dem ich mir ein ähnlich mitreißendes Leseerlebnis erhofft habe.

Marseille 1940 – worum geht es?

Juni 1940: Hitlers Wehrmacht hat Frankreich besiegt. Die Gestapo fahndet nach Heinrich Mann und Franz Werfel, nach Hannah Arendt, Lion Feuchtwanger und unzähligen anderen, die seit 1933 in Frankreich Asyl gefunden haben. Derweil kommt der Amerikaner Varian Fry nach Marseille, um so viele von ihnen wie möglich zu retten. Uwe Wittstock erzählt die aufwühlende Geschichte ihrer Flucht unter tödlichen Gefahren.

Klappentext

Auf der Flucht

Im Mittelpunkt von Marseille 1940 stehen bekannte Literaten wie Lion Feuchtwanger, Anna Seghers, Walter Benjamin, Hannah Arendt, Heinrich Mann, aber auch andere Künstler und Intellektuelle – von ihrer Flucht erzählt der Autor Uwe Wittstock. Doch er erzählt auch von dem Amerikaner Varian Fry, einem Mann, von dem ich vor diesem Buch noch nie gehört hatte. Gemeinsam mit einer Gruppe weiterer Menschen gründete er die die Hilfsinitiative „Emergency Rescue Committee“ und verhalf damit insgesamt über 2.000 Schriftstellern und anderen Künstlern zur Flucht vor den Nazis.

Durch den Feldzug der deutschen Wehrmacht gegen Frankreich im Mai und Juni 1940 sahen sich acht bis zehn Millionen Menschen zur Flucht gezwungen. Es war ein Massenaufbruch von schwer vorstellbarem Ausmaß.

Seite 7

Uwe Wittstock versteht es, mich bereits auf den ersten Seiten abzuholen und in diese Ereignisse hineinzuziehen. Szenisch dicht, liest sich Marseille 1940 wie ein spannungsgeladener Roman, wenn wir den Literaten auf ihrer Flucht oder in die Internierungslager folgen oder die nervenaufreibenden Fluchtpläne verfolgen. Immer wieder mit dem Hintergedanken „das ist keine Geschichte, das ist alles so passiert“. Dabei fallen Sätze, die man sich kaum vorstellen mag, z. B. Überlegungen wie „Finden Sie, man solle lieber den Jüngeren retten, Golo, oder Heinrich Mann, der zwar der Bedeutendere ist, aber doch schon sein Leben gelebt hat?“ (Zitat Seite 141).

Bewegende Geschichte

Feinfühlig und anschaulich erzählt der Autor von Momenten, in denen die Flüchtenden beinahe von deutschen Soldaten entdeckt werden, berichtet von menschenverachtenden Szenen, zeigt aber auch hoffnungsvolle Momente auf. Ich musste Marseille 1940 immer wieder aus der Hand legen, so fesselnd die Lektüre auch war, denn vieles ist mir einfach zu nahe gegangen.

Nach und nach trifft Golo Mann lauter Bekannte aus Berlin und München. Mit bitterem Lachen begrüßt er Feuchtwanger: «Trifft man sich in der Hölle wieder?».

Seite 77

Ich habe vor mir gesehen, wie Heinrich Mann aus Berlin flüchtet – nur mit einem Koffer und einem Regenschirm, habe gesehen, wie Walter Mehring, Hertha Pauli und Hans Natonek kurz vor Marseille aus dem Zug springen, weil die Stadt massiv überwacht wird und habe Lion Feuchtwanger am Stacheldrahtzaun eines Internierungslagers gesehen (tatsächlich, weil es hierzu auch eine Abbildung gibt). Insgesamt finden sich in Marseille 1940 52 Abbildungen. Ein Buch, das mitfühlen lässt.

Fazit

Marseille 1940 ist ein wichtiges Buch und eine absolute Lese-Empfehlung. Es ist ein Buch, in dem Angst und Hoffnung eng beieinander liegen, das von Mut und Verzweiflung berichtet und von Menschen erzählt, für die „Mitmenschlichkeit“ nicht einfach nur ein Wort ist.

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