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„Von hier bis zum Anfang“ von Chris Whitaker

von Marie
Veröffentlicht: Letztes Update 44 Aufrufe
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Im November hatte ich euch berichtet, wie begeistert ich von Wolkenkuckucksland war (und immer noch bin – lest es unbedingt.). Ich hatte auch geschrieben, dass ich Tränen in den Augen hatte, weil mich dieses hervorragende Buch so berührt hatte. Ein paar Monate später habe ich wieder ein Buch gelesen, dass mich sogar noch mehr zum Weinen gebracht hat. Dieses Buch will ich euch heute ans Herz legen. Von hier bis zum Anfang von Chris Whitaker – der Roman gehört schon jetzt zu meinen Jahreshighlights.

In Cape Haven war alles, was nicht perfekt war, gleich schrecklich.

Seite 13

In der Kleinstadt Cape Haven an der kalifornischen Küste ist vor dreißig Jahren die 7jährige Sissy zu Tode gekommen. Vincent, der vermeintliche Mörder, steht kurz vor seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Sissys Schwester Star ist mittlerweile selbst Mutter, doch die Vergangenheit lässt sie nicht los und sie schafft es nur schwer, sich um die 13jährige Duchess und den 5jährigen Robin zu kümmern.

Jemand, der sich kümmert, ist Walk, Polizist der Kleinstadt und seit seiner Kindheit bester Freund von Vincent. Regelmäßig schaut er bei den Kindern vorbei, unterstützt die Familie, so gut es geht. Das ist auch nötig, denn Duchess kümmert sich quasi alleine um ihren Bruder und muss sich auch um ihre Mutter kümmern, wenn diese wieder zu viele Tabletten genommen oder zu viel Alkohol getrunken hat.

Das klingt für euch schon bedrückend? Es geht noch bedrückender.

Für ihr junges Alter hat Duchess bereits zu viel erlebt. Mit stoischer Mine bringt sie ihre Mutter in die stabile Seitenlage oder holt das bereits Erbrochene aus ihrem Mund, damit sie nicht erstickt. Sie erlebt mit, wie Männer ihre Mutter blutig schlagen und hungert, damit ihr kleiner Bruder satt wird. Duchess nennt sich selbst einen Outlaw, mit jedem Tag wird sie härter. Was nicht perfekt ist, ist schrecklich.

Sobald die beiden Kinder etwas Gutes erleben, folgt etwas Schreckliches. Der Kloß in meinem Hals wurde mit jeder Seite größer. Chris Whitaker verschafft glücklicherweise hier und da eine Verschnaufpause, in dem er kleine humorvolle Beschreibungen einbaut.

Er gehörte zu den Männern, die sich dreimal täglich bis zu den Augen rasieren müssen, weil sie sonst Gefahr laufen, von einem zufällig vorbeikommenden Zoowärter mit Beruhigungspfeilen beschossen zu werden.

Seite 27

Womit ich auch schon bei den Personenbeschreibungen angekommen bin. Chris Whitaker hat in Von hier bis zum Anfang ganz wunderbare Charaktere geschaffen. Seine Hauptfiguren sind hervorragend vielschichtig gezeichnet, so dass ich alle Personen immer wieder auf unterschiedliche Weise gesehen habe, wie z. B. Duchess. Anfangs dachte ich oft: „Was für eine ungezogene Göre.“ Doch dann hat sie sich in mein Herz geschlichen und mir wird klar, Duchess will sich mit ihrer groben Art nur selbst schützen – und natürlich ihren kleinen Bruder. Wie sie sich um ihn sorgt und schließlich eine sehr selbstlose Tat begeht, ist beeindruckend.

Ein weiterer Lieblingscharakter ist Duchess‘ und Robins Opa Hal. Die Geschichte auf seiner Farm hat mich sehr stark berührt. Obwohl mir klar ist, dass das alles nicht gut ausgehen kann (aus Spoilergründen bleibe ich hier wage), habe ich es mir doch so gewünscht. Als es dann zu Ende ging, hat es mir das Herz zerrissen.

„Gibt es einen Unterschied zwischen einem Gebet und einem Wunsch?“

Walk nahm den Hut ab. „Man wünscht sich, was man möchte, und man betet für das, was man braucht.“

Seite 94

Chris Whitaker hat einen fabelhaften, sogentwickelnden Stil. Seine Geschichte wechselt zwischen Krimi und Drama, ist mal spannend, mal zu Tränen rührend. Zudem sorgen die vielen Wendungen dafür, dass man das Buch nicht aus der Hand legen will. Ich habe jede Seite genossen, obwohl mich die Geschichte sehr bedrückt hat.

Von hier bis zum Anfang ist sicherlich kein Wohlfühlbuch. Es umfängt dich mit einem unguten Gefühl, presst dein Herz zusammen. Aber doch, irgendwo zwischen den schlimmen Emotionen, blitzt hier und da ein Licht in der Dunkelheit auf. Vielleicht ist doch nicht alles schrecklich, was nicht perfekt ist.

Fazit

Von hier bis zum Anfang hat mich berührt und mein Herz gebrochen. In Chris Whitakers Geschichte ist so viel Unglück, Trauer und Wut – und dazwischen immer wieder so viel Liebe. Ein großartiger Roman und ein wahres Lesehighlight!


Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

Andere Meinungen:
Buchperlenblog
VeraLitera

2 Kommentare

Zeilentänzerin 6. März 2022 - 17:39

Hallo Marie, das Buch liegt auf meinem Nachttisch, weswegen ich mir deine Rezension jetzt noch nicht durchgelesen habe. Freue mich aber, das Buch bei dir entdeckt zu haben und nach Abschluss des Buches, werde ich hier reinschauen =)

Liebe Grüße,
Zeilentänzerin

Antworte
Marie 7. März 2022 - 13:36

Liebe Zeilentänzerin,
das kann ich gut verstehen. :) Ich wünsche dir ein ebenso eindrückliches Leseerlebnis, wie ich es hatte.
Liebe Grüße
Marie

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