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„Mittsommertage“ von Ulrich Woelk

von Marie
Veröffentlicht: Letztes Update 70 Aufrufe
Rezension zu Mittsommertage von Ulrich Woelk

Der Autor Ulrich Woelk hat bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, Der Sommer meiner Mutter stand auf der Longlist des deutschen Buchpreises. Mittsommertage ist der 14. Roman des Autors und das erste Buch, das ich von ihm gelesen haben., und es wird nicht mein letztes sein.

Mittsommertage – worum geht es?

Im Sommer 2022 scheint Ruth Lembers Leben zunächst perfekt. Als Ethikprofessorin lehrt sie an der Humboldt-Universität in Berlin und soll in wenigen Tagen Mitglied des Deutschen Ethikrates werden. An ihrer Seite steht ihr Ehemann Ben und dessen Tochter Jenny, die Ruth wie ihr eigenes Kind liebt. Dann wird Ruth von einem Hund gebissen und ihr Leben gerät aus den Fugen.

Eine Woche im Sommer

Ulrich Woelk erzählt die Geschichte dieser Mittsommertage in nur einer Woche im Berliner Hochsommer 2022. Sieben Tage in der deutschen Hauptstadt, in der sich Umweltaktivisten auf die Straße kleben, die Corona-Pandemie für die meisten Menschen bereits vorbei ist und eine Frau mit ihrer Vergangenheit konfrontiert wird.

Bei der morgendlichen Joggingrunde wird Ruth von einem Hund gebissen und dieser Biss fungiert als Auslöser für eine Reihe von Ereignissen, die Ruth aus der Bahn werfen. Verunsicherung macht sich breit. Ist ihre Ehe nur oberflächlich perfekt? Ist sie der Aufgabe im Ethikrat gewachsen? Was hat es mit dem Mann auf sich, der plötzlich in ihrem Seminar auftaucht?

Der Mann entpuppt sich Stav, ein früherer Freund und Liebhaber. Stav besitzt brisantes Material, das Ruths Mittäterschaft bei einem Sabotageakt mit umweltpolitischen Hintergrund zeigt. Sein Auftauchen löst etwas in Ruth aus, etwas Verborgenes und sie sieht sich mit vielen Fragen konfrontiert. Hat sie ihr Leben wirklich so gelebt, wie sie es wollte?

Berlin und Klimaaktivisten

Ulrich Woelk hat einen Roman geschrieben, in dem Berlin allgegenwärtig ist – sogar in den Gedanken der Protagonistin („warum habe ich nur Freunde in den Westbezirken der Stadt?“) Mit einem einnehmenden Schreibstil und ohne Hast nimmt mich der Autor mit zu aktuellen politischen Debatten (Stichwort: „Klimakleber“) und lässt mich an ethisch-moralischen Diskussionen (sind Tiere fühlende Wesen?) teilhaben. Gekonnt führt Woelk durch diese sieben Tage, an dessen Ende Ruths Welt auf dem Kopf steht und sie sich doch näher ist als zuvor.

«Die Vergangenheit ist auch hier.» Er widersprach. «Die Vergangenheit existiert nur in unseren Köpfen. Wir sind es doch, die bestimmen, ob sie hier ist oder nicht.»

Seite 111

Wunderbar ist dem Autor dabei die Verknüpfung der Gegenwart mit zurückliegenden Zeitebenen gelungen. Ausschließlich aus Ruths Sicht erzählt, lässt sie mich an ihren vielen Gedanken teilhaben und wirft dabei viele relevante Fragen auf. Eine Beantwortung bleibt mir als Leserin überlassen, denn das Buch regt lediglich zum Nachdenken an, gibt aber keine bevormundenden Antworten.

Nicht alles ist in dieser Woche kaputtgegangen.

Seite 281

Mittsommertage ist ein ruhiger Roman, der viele verschiedene Themen anspricht und dennoch nicht überladen wirkt. Auch das eine schriftstellerische Kunst. Ich habe mich sehr gerne von diesen schwül-heißen Tagen mit seinen philosophischen Gedanken mitreißen lassen.

Fazit

Eine Woche im Juni verändert das Leben einer erfolgreichen Frau und Ulrich Woelk lässt uns daran teilhaben. Mittsommertage ist ein sehr gut geschriebenes Buch mit vielen aktuellen Themen, das ich sehr gerne gelesen habe.

Herzlichen Dank an den Verlag C. H. Beck für das Rezensionsexemplar.

Mittsommertage von Ulrich Woelk.
Am 13.07.2023 bei C. H. Beck erschienen.
ISBN: 978-3-406-80652-0 / 284 Seiten

3 Kommentare

BuchBesessen 19. Juli 2023 - 13:31

Ich habe auch noch nichts von dem Autor gelesen, aber das klingt gut. Ich mag das erste Zitat sehr. :)

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Marie 19. Juli 2023 - 14:33

Das freut mich! Ich kann es dir sehr empfehlen und könnte mir auch vorstellen, dass es dir gut gefällt. Zumal es sich trotz der vielen Themen auch hervorragend lesen lässt.

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Mittsommertage - Ulrich Woelk - BuchBesessen 19. Oktober 2023 - 15:39

[…] […]

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