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Erzählband „Schaurige Nächte“

von Marie
Veröffentlicht: Letztes Update
Rezension zu Schaurige Nächte von Bridget Collins, Imogen Hermes Gowar, Kiran Millwood Hargrave, Andrew Michael Hurley, Jess Kidd, Elizabeth Macneal, Natasha Pulley, Laura Purcell

Werbung: Herzlichen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar.

Schaurige Nächte (OT: The Haunting Season) von diversen Autoren.
Am 19.09.2023 im Dumont Verlag erschienen.
Übersetzt von Werner Löcher-Lawrence.
ISBN: 978-3-8321-8210-6 / 432 Seiten

Wenn ihr schon öfter auf meinem Blog zu Besuch wart, wisst ihr vielleicht, dass ich ein großer Fan von Jess Kidd bin. Zuletzt habe ich Die Insel der Unschuldigen sehr geliebt. Bereits auf der Leipziger Buchmesse hat mir Liesa vom Dumont Verlag verraten, dass es einen Erzählband geben wird, in dem auch Jess Kidd vertreten sein wird. Seitdem habe ich auf das Buch gelauert. Nun wurde Schaurige Nächte passend zur Herbstzeit veröffentlicht. Und ich kann euch sagen: Nicht nur das Cover ist großartig!

Schaurige Nächte – worum geht es?

Lange, kalte Winternächte: Zeit, um den Kamin zu entzünden, Zeit für Geistergeschichten. Ob in den wilden Mooren von Yorkshire, auf dem verschneiten Gelände eines Spukhauses oder auf dem belebten Londoner Weihnachtsmarkt – diese Geschichten, die von Gespenstern vergangener Tage erzählen, jagen den Lesenden die köstlichsten Schauer über den Rücken. So herrlich britisch wie Yorkshire Pudding, so stimmungsvoll und gruselig wie ›Eine Weihnachtsgeschichte‹ von Charles Dickens und so spannend, dass man dieses Buch kaum aus den Händen legen kann. ›Schaurige Nächte‹ vereint acht Erzählungen ausgewiesener Gruselexpert*innen, die eine alte Tradition neu beleben: Als Meister*innen des Unheimlichen und Makabren bescheren sie uns einen Nervenkitzel ganz besonderer Art.

Klappentext

Acht gruselige Erzählungen

Schaurige Nächte bietet eine Sammlung von acht unheimlichen und sehr atmosphärischen Erzählungen aus der Feder von Bridget Collins, Imogen Hermes Gowar, Kiran Millwood Hargrave, Andrew Michael Hurley, Jess Kidd, Elizabeth Macneal, Natasha Pulley und Laura Purcell. Sie spielen fast alle in längst vergangenen Tagen und obwohl keine Jahreszahlen genannt werden, würde ich die meisten Geschichten im 19. Jahrhundert verorten. Mehr als blutrünstige Szenen bieten sie unterschwelligen Horror, ein Kribbeln, das uns beim Lesen langsam den Nacken hinauffährt und uns die Haare zu Berge stehen lässt. Vieles in den Schauergeschichten bleibt im Verborgenen. Einiges muss/kann man sich denken, kann die Fantasie spielen lassen und sich überlegen, wie es den Protagonisten ergehen wird – falls es überhaupt mit ihnen weitergeht…

Tatsächlich konnte ich das Buch nicht im Bett lesen, weil ich dann wohl Alpträume bekomme hätte. Die Atmosphäre des Buches hat mich schon auf den ersten Seiten gepackt und ich konnte mir sehr bildlich vorstellen, wie ein herrenloser Rollstuhl durch die Gegend fährt, Türen zuknallen oder Geister durchs Zimmer schweben. Wer allerdings fiese Psychohorrorschocker liest/sieht, wird Schaurige Nächte womöglich nicht so schaurig finden. Empfehlen kann ich diese feine Erzählsammlung allemal.

Wie mir die Erzählungen im Einzelnen gefallen haben, lest ihr in den folgenden Absätzen.

Schachspiel

Von Bridget Collins, die mich bereits Die verborgenen Stimmen der Bücher begeistern konnte, kommt Eine Studie in Schwarzweiss. Darin ist ein Mann von einem schwarz-weißen Haus fasziniert, dessen Garten mit Eiben in Form von Schachfiguren geschmückt ist. Als er das Haus kurzerhand mietet, sorgt ein Schachspiel im Haus für Aufregung.

Die Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Bridget Collins hat einen tollen bildhaften Stil, der mich mit in das unheimliche Schachhaus genommen hat. Ein Favorit.

Auf der Flucht

Imogen Hermes Gowar erzählt in Thwaites Mieter von einer jungen Frau, die gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn vor ihrem gewalttätigen Ehemann flüchtet. Der Vater der jungen Frau bringt beide in ein abgeschiedenes Haus, das nur scheinbar unbewohnt ist.

Der arme Junge! Entweder hatten wir einen Eindringling draußen vor dem Zimmer oder eine gestörte Mutter darin. Er hatte kaum eine Chance.

Seite 50

Die Protagonistin hat keine Chance. Der Ehemann darf mit ihr machen, was sie will. Ihr Vater – selbst ein zwanghafter Ehebrecher – gefällt das. Eine kleine Rache bekommt sie (vielleicht) doch. Klasse!

Marschlandschaft

In Die Aal-Sänger lässt Natasha Pulley ihre Protagonisten Thaniel und Mori (bekannt aus Der Uhrmacher in der Filigree Street) Urlaub in einem einsam gelegenen Haus in den Fens, einer Moor- und Marschlandschaft in Ostengland, machen. Doch warum summen und singen sie plötzlich alle das gleiche Lied? Und warum wird Thaniel auf einmal zum Schlafwandler?

Ein Katzenskelett im Kamin, ein Pferdegebiss im eiskalten Wasser, singende Einheimische, die mit Aalen tanzen – alles sehr gruselig! Nur die Fußnoten stören etwas den Lesegenuss.

Geisterbeschwörung

Jess Kidd erzählt in Lily Wilt von der gleichnamigen wunderschönen Lily. Als sie stirbt, soll ein Fotograf die letzten Bilder von ihr machen. Doch dann erscheint ihm Lilys Geist und der Fotograf ist hingerissen.

Jess Kidd begeistert erneut mit ihrer bildgewaltigen Sprache, die mich durch die Erzählung hat fliegen lassen. Auch ihr schräger Humor blitzt hier und da auf.

Bewegung in einer verschatteten Ecke, und aus einem wahrhaften Bücherberg ersteht ein nackter Mann mit einem beeindruckenden Bart. »Ihre Kleider, Sir!«, ruft Pemble. „Ich nehme Wissen in mich auf“, erwidert der Mann gelassen.

Seite 125

Das Ende erschließt sich mir allerdings nicht so ganz.

Familiengeheimnisse

Chillinghams Rollstuhl soll der verunglückten Evelyn helfen. Doch Laura Purcell lässt den Rollstuhl ein Eigenleben bekommen und Evelyn stößt auf ein schreckliches Geheimnis.

Hübsche, charmante und hilfsbereite Menschen können ja gar nicht böse sein – oder? Wieder eine Geschichte, in der eine Frau einfach nichts zu sagen hat. Gruselig in jeder Hinsicht. Ein wenig vorhersehbar, aber dennoch gut.

Fanatismus

Andrew Michael Hurly erzählt in Das Hängen des Grüns von Ed. Dieser war in jüngeren Jahren Pastor und wollte unbedingt dem Alkoholiker Joe helfen, sich bei einem Paar zu bedanken, das ihm in schlimmster Not geholfen hat. Als Ed die abgelegene Farm erreicht, scheint er plötzlich in die Vergangenheit sehen zu können. Und was er sieht, gefällt ihm gar nicht.

Überraschend bis zum Ende. Eine gelungene Erzählung.

Mörderische Hexe

Catherine ist Gefangen – während und nach der Geburt ihrer Tochter und natürlich nur zu ihrem eigenen Schutz. Doch dann bringt Kiran Millwood Hargrave mit der Hexe Bright eine weitere Figur ins Spiel.

Die Frauen haben es in Schaurige Nächte wirklich nicht leicht. Aber immerhin ist hier nicht jeder Mann ein Idiot. Die Anmerkung der Autorin lässt die Geschichte noch einmal in einem anderen Licht erscheinen. Sehr gut!

Monster

Elizabeth Macneal zeigt in Ungeheuer einen Mann, der mit seiner frisch angetrauten Frau ans Meer fährt, um ein Fossil zu finden, dem er seinen Namen geben kann. Doch bereits bei der Ankunft werden ihm unheimliche Geschichten erzählt, die sich bald in ihm einnisten.

Die einzige Geschichte, die mir leider nicht so gut gefallen hat. Der Ton sagte mir nicht zu und ich fand die Geschichte um die Robben-Frauen und vor allem das Ende sehr verworren.

Fazit

Die acht Erzählungen in Schaurige Nächte begeistern mit unterschwelligem Grauen und sehr viel Atmosphäre. Perfekt für lange Herbst- und Winterabende, an denen man sich in eine wohlige Gruselstimmung versetzen lassen möchte. Ein gelungener Erzählband.

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3 Kommentare

Zeilentänzerin 9. Oktober 2023 - 14:16

Hallo Marie, ich habe deine Rezension verschlungen. Ein Buch ganz nach meinem Geschmack, klingt wirklich toll! Vor allem für die kommende Herbst- und Winterzeit.

Zeilentänzerin

Antworte
Marie 9. Oktober 2023 - 14:27

Das freut mich sehr, liebe Zeilentänzerin! Für die dunkle Jahreszeit ist es wirklich perfekt. Fröhliches Gruseln. :)

Antworte
Schaurige Nächte: Unheimliche Geschichten für den Winter – Bridget Collins, Imogen Hermes Gowar, Kiran Millwood Hargrave, Andrew Michael Hurley, Jess Kidd, Elizabeth Macneal, Natasha Pulley & Laura Purcell – zeilentänzer 22. Dezember 2023 - 5:05

[…] eindeutig hervor, dass wir uns in einer wesentlich früheren Zeit befinden. Wie auch Marie in ihrer Besprechung zum Buch schon vermutete, würde auch ich die Handlungen der Geschichten im 19. Jahrhundert […]

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