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„Mount Copenhagen“ von Kaspar Colling Nielsen

von Marie
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Foto und Buchcover zu "Mount Copenhagen" von Kaspar Colling Nielsen

Nach Sanctuary und Die Letzte macht das Licht aus zieht es mich mit Mount Copenhagen von Kaspar Colling Nielsen schon wieder in eine Welt, die unserer ähnelt, aber doch (ganz) anders ist. Diesmal ist es aber eine Welt, die im Gegensatz zu den beiden anderen nicht unbedingt furchtbar ist. Allerdings lässt sich Mount Copenhagen in keine Schublade stecken.

Ein Riese von einem Berg

Der Buchtitel bezieht sich auf den gleichnamigen fiktiven Berg, der vor langer Zeit von der dänischen Regierung in Auftrag gegeben wurde und dessen Bau auf Avedøre Holme (ca. 10 km südwestlich von Kopenhagen) 200 Jahre dauerte. Mit seiner imposanten Höhe von 3.500 Metern (er ist damit fast so hoch wie der Berg Zuckerhütl in den Stubaier Alpen in Tirol) und einen Umfang von 55 Kilometern ist er weit über das ansonsten sehr flache Dänemark sichtbar. Da es sich um ein ungewöhnliches Projekt handelt, zieht der Berg auch ungewöhnliche Menschen an. Und genau davon erzählt der dänische Autor Kaspar Colling Nielsen.

Gartenwichtel, Rezepte von Gott und Vogelmenschen

Der Autor hat seine Erzählwelt rund um Mount Copenhagen angesiedelt und zeigt in 17 Geschichten die Welt am und auf dem Berg. Wir treffen Jan Peter Lassen, der sich zum Vogelmenschen umoperieren lässt und fortan den Luftraum um den Berg bevölkert. Dann gibt es Stig, der unbedingt noch ein Tennismatch gegen einen sehr jungen Herausforderer gewinnen will und deshalb seinen Schläger ganz speziell bespannen lassen möchte. Außerdem liegt ein Wichtel im Garten und ein Mann erhält ein Rezept für kandierte Feigen – und zwar von keinem geringeren als Gott.

Das klingt verrückt? Ja, aber wartet ab, bis ihr das Buch gelesen habt. Es wird noch absurder. Wo ein Wichtel, da auch ein Außerirdischer…

Das Wesen hatte den Kühlschrank durchwühlt, eigentlich banal, denn Außerirdische sind ja bekannt dafür, dass die Kühlschränke durchwühlen und Freundschaften mit Kindern in der Nähe schließen.

Seite 119

Mount Copenhagen ist ein Fest für alle, die gerne spezielle Bücher lesen. Dabei geht es auf den gut 200 Seiten teilweise auch recht blutig und makaber zu. Aber keine Sorge, der Autor schafft es, die Balance zu wahren. Obwohl mich nicht alle Geschichten zu 100% begeistert haben, ist Mount Copenhagen insgesamt ein großartiges Buch. Gerade die unterschiedlichen Themen der einzelnen Erzählungen machen das Buch zu einem Lesegenuss.

Ein geniales Debüt

Gelungen ist auch die Verknüpfung der einzelnen Geschichten. Jede Erzählung wird mit einem kleinen Text abgeschlossen, der auf eine Besonderheit des Berges hinweist, die sich wiederum in der nächsten Geschichte wiederfindet. Kaspar Colling Nielsen schafft es so auf geniale Weise, seine Geschichten miteinander zu verbinden, obwohl sie alle eigenständig sind. Und so liest sich das Buch auch eher wie ein Roman als ein Band von Kurzgeschichten.

Das Buch hat mich auf jeden Fall begeistert. Kaum zu glauben, dass es sich bei Mount Copenhagen um den Debütroman des Dänen handelt. Weniger verwunderlich ist, dass das Buch mit dem renommierten Danske Bank First Book Award ausgezeichnet wurde. Ich werde mir auf jeden Fall auch die anderen Bücher des Autoren ansehen.

Fazit

Absurd, traurig, makaber, skurril und spannend – Kaspar Colling Nielsen hat einen hervorragenden Erzählband geschrieben. Ich empfehle Mount Copenhagen allen, die gerne besondere Bücher lesen.


Herzlichen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar. Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

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