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Barbara stirbt nicht

von Marie
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Barbara stirbt nicht von Alina Bronsky

Walter Schmidt ist auf den ersten Blick kein netter Mensch. Und auch den zweiten Blick hält er nicht wirklich stand. Schmidt Walter, wie er sich immer vorstellt, ist stolz darauf, seine Frau nie geschlagen zu haben (hat er doch nicht, oder?), nichts zu sagen, wenn sie sich mit Freunden zum Yoga trifft oder sonstigen Aktivitäten nachgeht, obwohl ihm das nicht so richtig passt. Aber er sagt nichts. Und er lässt sie auch ganz in Ruhe in ihrer (!) Küche arbeiten. Seit mehr als 50 Jahren. Schließlich hat er vor der Rente alleine für die Familie gesorgt. Komisch, dass seine Kinder ihn nicht mehr so häufig besuchen und sein Sohn ihm so verhalten entgegentritt. An Schmidt Walter kann es ja nicht liegen…

Aber dann passiert etwas.

Als Herr Schmidt Freitagfrüh aufwachte und den Kaffeeduft vermisste, dachte er zuerst, dass Barbara im Schlaf gestorben sein könnte.

Der erste Satz aus „Barbara stirbt nicht“

Barbara ist in der Nacht im Bad gestürzt und konnte nicht mehr aufstehen. Herr Schmidt findet sie und bringt sie ins Bett zurück. Was hat denn die Barbara, fragt sich Herr Schmidt. Er lässt sie ein wenig schlafen, dann wird’s schon wieder gehen. Aber es geht nicht und Herr Schmidt will doch unbedingt seinen Kaffee! Also muss Herr Schmidt selbst ran, er, der in seinem Leben noch keine Küche betreten hat, sei es zum Kaffee kochen oder überhaupt zum Kochen.

Witzig, aber auch berührend

Das ist der Ausgangspunkt von Alina Bronskys Roman Barbara stirbt nicht. Was so lustig klingt, ist es manchmal auch. Herrn Schmidts Versuche, Kaffee zu kochen und was zum Essen für sich und Hund Helmut sind schon sehr skurril. Allerdings schwingt in den witzigen, auch oft bissigen Szenen schon bald ein bedrückender Ton mit. Denn allen – Kindern, Nachbarn, Freunden – ist klar, dass es Barbara sehr schlecht geht, nur Herr Schmidt verschließt die Augen vor dieser Tatsache. Für ihn steht fest: Barbara muss einfach mehr essen, dann wird das schon wieder. Also bringt er sich selbst mit Hilfe eines Fernsehkochs das Kochen bei und mutiert dabei unbewusst zum Internetstar.

Schroff, schroffer, Herr Schmidt

Hervorragend gelungen sind Alina Bronsky die verschiedenen Charaktere. Barbara, ihre Kinder, sogar Helmut der Hund – alle werden sie wunderbar beschrieben. Doch allen voran Herr Schmidt: Er ist so großartig gezeichnet, dass ich ihn lebensgroß und in Farbe vor mir sehe. Er ist ein Phänomen. Einerseits ist er alles andere als sympathisch, hat engstirnige Ansichten und Vorurteile – die Partnerin seiner Tochter nennt er ausschließlich „ihre beste Freundin“ – ist zu jedem und allem schroff und unhöflich. Und doch fängt er irgendwann an, mich zu berühren.

Wenn nicht das Ende wäre…

Leider wird die Geschichte am Ende sehr unrund. Eine neue Figur taucht auf und es wird alles etwas absurd. Zudem ist mir das Ende zu abrupt. Schade, Barbara stirbt nicht hätte eine perfekte Geschichte werden können.

Fazit

Bissig, witzig und berührend – Alina Bronsky hat mit Barbara stirbt nicht einen sehr kurzweiligen Roman geschrieben. Leider hat mir das abrupte Ende so gar nicht gefallen.


Herzlichen Dank an vorablesen und den Kiepenheuer & Witsch Verlag für das Rezensionsexemplar. Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

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