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„Gespenster“ von Dolly Alderton

von Marie
Veröffentlicht: Letztes Update 21 Aufrufe
Beitragsbild zu Gespenster von Dolly Alderton

Sagt euch der Begriff „Ghosting“ etwas? Wenn jemand, der euch auf irgendeine Weise nahe steht, sich einfach nicht mehr meldet, sowohl persönlichen Kontakt als auch Kommunikation ohne Vorwarnung oder Gespräch abbricht und einfach nicht mehr zu erreichen ist – das ist Ghosting. Eine nicht sehr nette Art, sich aus dem Leben anderer hinauszuschleichen…

Worum geht’s?

Das Thema „Ghosting“ behandelt Dolly Alderton, Kolumnistin der britischen Sunday Times, in ihrem Debütroman Gespenster. Im Mittelpunkt steht die 32jährige Nina George – George nach George Michael! -, Food-Journalistin und mehr oder weniger zufriedene Single-Frau. Von ihren meist verheirateten Freundinnen liebevoll gedrängt, probiert sich Nina im Online-Dating und trifft mit dem ersten Date sofort ins Schwarze. Max spricht bereits am ersten Abend davon, dass er sie heiraten wird und tatsächlich scheinen sich beide gesucht und gefunden zu haben. Doch dann meldet sich Max nicht mehr. Anrufe werden ignoriert, SMS bleiben unbeantwortet. Nina ist verstört und trauert um eine vermeintlich große Liebe – doch dann steht Max plötzlich wieder vor ihrer Tür.

Witzig und melancholisch

Feinfühlig und mit viel Wortwitz schreibt Dolly Alderton über ein Jahr im Leben von Nina, in der sich bestimmt einige Leserinnen in ihren 30ern wiederkennen werden. Gespenster hat mich beinahe durchgehend begeistert. Der Humor hat mich oft zum Schmunzeln gebracht und Ninas Wut und Trauer, als sich Max nicht mehr meldet, waren glaubwürdig. Überhaupt ist Nina sehr authentisch. Allerdings nicht immer sympathisch und manchmal etwas zu verstockt. Das mag ein Grund sein, warum ich ihre Geschichte am Ende dann nicht mehr ganz überzeugend fand. Vor allem – SPOILER – habe ich nicht verstanden, warum sie Max nicht einfach zu Hause aufgesucht hat, wusste sie doch, wo er wohnt….

Berührende Vater-Tochter-Beziehung

Aber es geht nicht nur um Ninas chaotisches Liebesleben. Sehr berührend fand ich die Geschichte von ihrem Vater, der an einer Demenz erkrankt ist und zunehmend nicht mehr weiß, wer und wo er ist. Nina bricht somit erneut das Herz, da ihr Vater ihr ein und alles ist. Zusammen mit ihrer Mutter, die zunächst auf Verdrängung eingestellt ist, versucht Nina, ihrem Vater zu helfen.

Die Liebe, die man für einen Menschen empfindet, besteht zu großen Teilen aus gemeinsamen Erlebnissen und geteilten Erinnerungen, sie speist sich aus einem riesigen Archiv, zu dem man jederzeit Zugang hat und mit dessen Hilfe man vertraute Gesichter und Stimmen abruft.

Seite 289

Fazit

Ein witziges, manchmal auch sehr melancholisches, aber in jedem Fall sehr treffendes Buch über das Singleleben in den Dreißigern.


Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

2 Kommentare

Zeilentänzerin 31. Oktober 2021 - 23:18

Hey=) Mir hat ihr erster Roman überhaupt nicht zusagen können, weswegen ich hin- und her überlege, ob ich „Gespenster“ eine Chance geben soll. Ich habe viel Gutes gehört und bin nun doch neugierig und werde es wohl wagen.

Zeilentänzerin

Antworte
Marie 1. November 2021 - 8:32

Huhu :)
Ist das erste Buch ein Roman? Da „Gespenster“ als ihr Debütroman bezeichnet wird, ging ich davon aus, dass das andere ein Sachbuch o.ä. ist.
Da ich das andere Buch nicht kenne, kann ich leider nicht sagen, ob dir „Gespenster“ gefallen wird. Vielleicht mal in die Leseprobe reinschnuppern?
Liebe Grüße
Marie

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