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„254 Tage mit Jane Doe“ von Michael Belanger

von Marie
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Beitragsbild zu 254 Tage mit Jane Doe von Michael Belanger

Achtung, Spoiler im Text! (Obwohl ich denke, dass von Anfang an klar ist, was mit Jane passiert).

Jane Doe, Ray und grüne Kühe

Ihr fragt euch, was diese grünen Kühe auf dem Beitragsbild machen? Nun, sie spielen eine immer wiederkehrende Rolle in Michael Belangers Debütroman 254 Tage mit Jane Doe. Denn grüne Kühe sind eines der Geheimnisse der Kleinstadt Williamsburg in Connecticut, in die der Teenager Ray die neue Schülerin Jane Doe einweihen möchte.

Die grünen Kühe stehen auch für die humorvollen Seiten des Buches. Denn Humor gibt es jede Menge. Das liegt auch an Ray, der sich selbst einen Geschichtensammler nennt, und seinen besten Freund Simon, der besessen von Vampirbüchern ist. Zu Beginn sind die beiden Jungs die Außenseiter der Schule, naiv, ungeküsst, aber so sympathisch, dass man sie nur gern haben kann. Dann betritt Jane die Schulklasse und das Leben der beiden Jungs verändert sich rasant.

Das Universum kollabierte und ich befand mich plötzlich an einem Ort, der mir weitgehend unbekannt war: der Dimension, in der die guten Sachen passieren.

Seite 33

Jane ist nicht mehr da…

Jane Doe heißt natürlich nicht wirklich Jane Doe, aber Ray, der die Geschichte erzählt, findet es nicht richtig, ihren wahren Namen zu nennen. Denn Jane ist nicht mehr am Leben und Ray will herausfinden, wie es soweit kommen konnte. 254 Tage mit Jane Doe ist in zwei Erzählstränge eingeteilt – in Davor und Danach – die meist kapitelweise wechseln.

Michael Belanger beschreibt in seinem ersten Jugendbuch sehr einfühlsam und berührend ein Mädchen, dass sich in ihrer Depression verliert und trotz Liebe und Unterstützung nicht aus dem tiefen Schwarz hinausfindet. Jane fühlt sich alleine, etwas, dass viele Menschen, die an Depressionen leiden, kennen. Und sie fühlt sich unverstanden.

Heutzutage weiß man, dass Blutegel und Aderlässe keine gute Idee sind. Dass es nicht reicht, um Heilung zu beten. Aber bei Depressionen und solchen Sachen tun die Leute immer noch so, als wär man selber dran schuld. Als könnte man sich das irgendwie aussuchen.

Seite 205

Jane hat mich sehr berührt. Ihre Hilflosigkeit, ihre Traurigkeit, das Empfinden, dass alles zuviel ist. Sehr gut beschreibt der Autor aber auch, wie die Krankheit auf Angehörige und Freunde wirkt. Janes Eltern sind ratlos. Was können sie für ihre Tochter tun? Sie besprechen sich sogar mit Ray, der offenbar einen größeren Zugang zu Jane hat.

Hilflosigkeit und Trauer

Aber auch Ray ist hilflos und überfordert. Wie soll er Jane helfen, wenn sie nicht mit ihm spricht oder wenn sie es tut, selbst nicht weiß, was genau sie ihm sagen soll? Er versteht ihr widersprüchliches Verhalten nicht. Mal geht sie mit ihm freudestrahlend auf Entdeckungstouren, dann will sie ihn tagelang nicht sehen. Er gibt ihr die Zeit, es fühlt sich aber nicht richtig an.

Nach Janes Tod braucht auch Ray Hilfe. Er leidet so dermaßen unter dem Verlust, dass seine Mutter ihm zu einem Therapeuten schickt. Ray kann den Mann nicht leiden, findet seine Ansätze albern. Doch nach und nach stellt sich heraus, dass die Therapie hilft. Jeder kleine Schritt zählt und irgendwann bringen ihn die grünen Kühe auch nicht mehr zum Weinen.

Fazit

254 Tage mit Jane Doe ist eine sehr emotionale Geschichte. Es geht um Depression, Trauer und dass es nicht immer einfach ist, erwachsen zu werden. Ein sehr gutes Jugendbuch, bei dem man abwechselnd weint und lacht.


Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

1 Kommentar

Zeilentänzerin 10. November 2021 - 20:36

Hallo liebe Marie, danke für deine lieben Kommentare auf meinem Blog. Ich habe mich sehr gefreut. Vor allem über deine persönlichen Lese-Highlights im Oktober. Da bin ich direkt auf deine Rezension gestoßen und freue mich, denn ich kannte das Buch noch gar nicht. Ein herausforderndes Thema wird in dem Buch bearbeitet und offensichtlich ist die Umsetzung gelungen. Das Cover finde ich sofort sehr ansprechend.

Liebe Grüße,
Zeilentänzerin

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