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„Durch das große Feuer“ von Alice Winn

von Marie
Veröffentlicht: Letztes Update 68 Aufrufe
Durch das große Feuer von Alice Winn

Das wunderschöne Cover von Durch das große Feuer ist mir als erstes ins Auge gefallen. Als ich dann den Klappentext von Alice Winns Debütroman gelesen habe, war klar, dass ich dieses Buch unbedingt lesen will. Mit hohen Erwartungen habe ich dieses Buch begonnen – und sie wurden sogar noch übertroffen.

Durch das große Feuer – worum geht’s?

England, 1914: Die Eliteschüler Henry Gaunt und Sidney Ellwood führen ein behütetes Internatsleben auf dem Land. Die Ereignisse des Ersten Weltkrieges scheinen noch ganz weit weg. Dabei führt Gaunt bereits seinen ganz privaten Kampf. Er verzehrt sich heimlich nach seinem charmanten Freund Ellwood, fürchtet aber die Konsequenzen einer solchen verbotenen Liebe. Dann müssen beide an die Front …

Klappentext

Ein bewegendes Debüt

Das Debüt beginnt im Juni 1914 mit Auszügen aus The Preshutian, der Zeitung des ehrwürdigen Preshute College, an dem sich Gaunt und Ellwood befinden. Heitere Meldungen über das Tagesgeschehen an der Eliteschule werden nur drei Monate später durch erste Nachrufe auf im Krieg gefallene Soldaten abgelöst. Im Mittelpunkt der Geschichte finden sich Gaunt, der bisweilen lieber Fäuste als Worte sprechen lässt, und Ellwood, der zur Freude von Gaunt stets Gedichte (von Tennyson) rezitiert.

„Ich glaube an Schönheit“, antwortete Ellwood schließlich. »Ja«, bestätigte Gaunt mit Nachdruck. »Ich auch.« Er überlegte, wie es wohl wäre, jemand wie Ellwood zu sein, der zur Schönheit seiner Umgebung beitrug, anstatt sie zu verunstalten.

Seite 23

Sehr bewegend schildert Alice Winn einerseits die Liebesgeschichte der beiden jungen Männer und andererseits die Schrecken des Ersten Weltkrieges. Gaunt und Ellwood habe ich bereits auf den ersten Seiten ins Herz geschlossen. Zwei Jungen, die bisher nur das elitäre Leben zu spüren bekommen haben, oft recht unreif agieren und sich gegenseitig nicht ihre wahren Gefühle offenbaren können. Die Schönheit ihres Lebens wird durch den Ersten Weltkrieg zerstört. Gaunt geht an die Front und schreibt beklemmende Briefe an Ellwood, der schließlich aus einer Laune heraus beschließt, ebenfalls den Kriegsdienst anzutreten.

Authentische Kriegsbilder

Schonungslos und authentisch beschreibt Alice Winn nun die Gräuel des Krieges. Teilweise waren mir die Schilderungen zu drastisch und ich musste das Buch immer wieder zur Seite legen. Doch gerade der Wechsel zwischen der Liebesgeschichte, dem alltäglichen Leben der jungen Männer und dem Gemetzel auf dem Schlachtfeld macht die Geschichte so eindrücklich.

Es war hoffnungslos gewesen, Ellwood zu lieben, weil Ellwood seine Liebe nicht erwiderte, und jetzt war es hoffnungslos, obwohl er sie erwiderte.

Seite 201

Junge Männer, die zunächst voller Begeisterung in den Krieg ziehen, sind schon bald desillusioniert. Sehr viele werden wenig später als Kanonenfutter (was für ein furchtbares Wort!) geopfert, Alice Winn beschönigt hier nichts. Gliedmaßen fliegen in sinnlosen Kampfeinsätzen, die Überlebenden bleiben oft traumatisiert zurück. Einige beenden ihr Leben noch im Schützengraben durch eigene Hand.

Du vergeudest deine Jahre, als wären sie unbegrenzt.

Seite 96

Durch das große Feuer hat mir mehr als einmal das Herz zerrissen. Wie furchtbar können Menschen sein? Die Geschichte wird immer wieder durch die stetig wachsende „Ehrenliste“ im The Preshutian unterbrochen, auf der die getöteten oder verwundeten Soldaten gelistet werden. Erschreckend dabei das immer jüngere Alter der Gefallenen. Ohne Taschentücher war es mir nicht möglich, dieses eindrucksvolle Buch zu lesen.

Ein Herzensbuch

Ich gehöre auch zu denen, die „Kriegsbücher“ nicht gut lesen können. Und ich will hier nichts beschönigen – Durch das große Feuer ist teilweise sehr grausam. ABER, es ist auch wunderschön! Schon ab der ersten Seite hat mich dieser Roman gefesselt. Ein wunderbarer Schreibstil und sehr gut ausgearbeitete Charaktere in einer tragischen, aber tatsächlich auch immer wieder humorvollen Geschichte machen dieses Debüt zu einem Lesegenuss. Ja, ein zweischneidiger Genuss, da das kriegerische Blutvergießen nichts für schwache Nerven ist. Dennoch: Alice Winns Debüt ist großartig und absolut empfehlenswert.

Fazit

Mit Durch das große Feuer hat Alice Winn ein eindrucksvolles Debüt vorgelegt, das mir den Schrecken des Ersten Weltkrieges nahe gebracht hat. Die Liebesgeschichte zwischen Gaunt und Ellwood hat mich zusätzlich berührt. Schon jetzt ein Jahreshighlight.

Herzlichen Dank an Politycki & Partner und den Eisele Verlag für das Rezensionsexemplar.

Durch das große Feuer (OT: In Memoriam) von Alice Winn.
Am 30.03.2023 im Eisele Verlag erschienen.
Aus dem Englischen übersetzt von Ursula Wulfekamp und Benjamin Mildner.
ISBN: 978-3-96161-160-7 / 496 Seiten

Auch rezensiert von: Buchblogger24

2 Kommentare

BuchBesessen 3. Mai 2023 - 18:43

Was du unter „ein Herzensbuch“ geschrieben hast, macht es doch interessant für mich. Denn eigentlich schrecken mich „Kriegsbücher“ auch eher ab.

Antworte
Marie 5. Mai 2023 - 10:43

Dann würde ich es dir wirklich empfehlen, da ich ansonsten diese Art Bücher auch nicht lese.

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