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„Hazel Wood“ von Melissa Albert

von Marie
Veröffentlicht: Letztes Update 24 Aufrufe
Beitragsbild zu Hazel Wood von Melissa Albert

Hazel Wood ist eine echte Überraschung. Ich bin absolut begeistert! Nach dem Lesen des Klappentextes hätte ich nicht gedacht, dass mich so eine düstere Geschichte erwartet.

Aber zunächst zu den Äußerlichkeiten: Das Cover ist bildschön. Die Blätter wirken einerseits bedrohlich – man wagt es kaum, die Blätter zur Seite zu schieben, um zu sehen, was einen dahinter erwartet – andererseits sind sie mit Glitter umrandet und man will sie unbedingt anfassen. Insgesamt bildet das Cover einen passenden Auftakt zur Geschichte. Es wird sinister und magisch.

Zur Geschichte

Es geht um das Mädchen Alice, das von klein auf mit ihrer Mutter Ella auf der Flucht ist. Immerzu passieren unheilvolle Dinge, ein langes Aufhalten an einem Ort ist nicht möglich.

Wir ließen uns an abenteuerlichen Orten nieder, blieben bei Freunden, bis deren Gastfreundschaft an den Ellenbogen durchgescheuert war, und zogen anschließend weiter.

Seite 11

Als Ella einen Brief erhält, der vom Tod ihrer Mutter Althea, einer berühmten Autorin dunkler Märchen, berichtet, scheint es plötzlich bergauf zu gehen. Ella heiratet sogar und Alice hofft auf ein Leben ohne Angst. Doch sehr bald wird alles noch viel schlimmer als vorher. Ella wird entführt und Alice macht sich auf die Suche nach ihr, wobei auch Hazel Wood, das Anwesen ihrer Großmutter, eine Rolle spielt. Bei der Suche bekommt Alice Hilfe von Finch, einem Fan ihrer Großmutter – doch diesen treiben noch ganz andere Sehnsüchte….

Ein unheimliches Debüt

Dieses Fantasy-Jugendbuch hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Alice ist eine großartige, emotionsgeladene Protagonistin. Sie ist noch nicht erwachsen, ihre Gefühlsausbrüche können sich also auch daraus erklären; doch da ist auch etwas Dunkles, etwas, das sie nicht versteht. Eine zwiegespaltene und dadurch umso spannendere Persönlichkeit.

Alice führt den Leser durch Melissa Alberts Debüt, das um einiges unheimlicher ist, als ich es im Voraus erwartet habe. Im Laufe der Geschichte wird Finch sagen, dass er Altheas Märchen gelesen hat, weil ihm die Gebrüder Grimm nicht mehr düster genug waren. Da die Grimm’schen Märchen nicht gerade für ihre fluffigen, rosaroten Geschichten bekannt waren, soll das schon was heißen. Und tatsächlich entwickelt sich Hazel Wood immer unheilvoller. Es gab sogar einen Abend, an dem ich das Buch aus Angst vor Alpträumen nicht mehr im Bett lesen konnte.

Ein märchenhafter Alptraum

Hazel Wood hat tatsächlich einiges von einem Traum, der sich in einen Alptraum verwandelt. Anfangs wirken einige Dinge wunderlich-lustig. Ein Mann legt harmlose Dinge wie eine Feder und einen kleinen Knochen auf einem Tisch ab; Alice fühlt sich beobachtet; ein Mädchen führt ein Schwein an der Leine spazieren…. Doch dann kippt der Traum und die harmlosen Dinge werden grauenerregend. Alice ist da bereits im Hinterland mit seinen gefährlichen Geschichten. Es wird teilweise grauenerregend und Kindern ist das Buch auch deshalb nicht zu empfehlen.

Dass die Märchen der Gebrüder Grimm kurz angesprochen werden, erscheint mir logisch, wirkt doch auch Hazel Wood wie ein ursprüngliches, irgendwie altmodisches (im guten Sinne!) Märchen. Märchen, in denen das Böse hauptsächlich von einem Mensch ausging und nicht irgendwelche garstigen Geschöpfe das Übel waren. Mehr als einmal hatte ich Bilder vor Augen, die von den genialen Regisseuren Guillermo del Toro und Tarem Singh hätten erdacht werden können. Die Atmosphäre aus Pans Labyrinth passt hier genauso gut wie die fieberhaften Träume aus The Fall. Wer diese beiden Filme mochte, wird sicherlich auch an Hazel Wood gefallen finden.

Kann das alles sein? Der Gedanke klang in mir nach wie die Zeile aus einem Song. Diese Sache zwischen uns, dieses seltsame, wachsende Etwas, das direkt betrachtet nach nichts aussah und doch manchmal aus dem Augenwinkel heraus geheimnisvoll leuchtete.

Seite 51

Happy End – oder nicht?

Nicht nur atmosphärisch ist Melissa Alberts Debüt ein Genuss. Ihre Art zu schreiben hat mich von der ersten Seite an begeistert. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass am Ende nicht alles so kommt, wie ich es mir gedacht habe. Und ob es ein Happy End ist, lässt sich auch nicht so spontan sagen. Das Aufwachen aus einem Alptraum ist ja auch nicht nur schön. Einerseits ist man natürlich froh, dass es vorbei ist, aber andererseits hängen einem die düsteren Ereignisse nach. So bleibt auch am Ende von Hazel Wood ein beklemmendes Gefühl. Ja, es ist vorbei, aber irgendwie auch nicht …

Ich habe Hazel Wood geliebt und ich hoffe, dass der Dressler Verlag irgendwann auch die Fortsetzung herausbringen wird. Bis jetzt sieht es leider nicht so aus.

Fazit

Hazel Wood ist ein großartiger, atmosphärischer Debütroman, der düstere Bilder im Kopf entstehen lässt und auch ältere Leser in seinen Bann ziehen wird.


Diese Rezension erschien zuerst auf Vorablesen.de. Für meinen Blog habe ich sie überarbeitet.

Das Buch habe ich seinerzeit als *Rezensionsexemplar* erhalten. Mehr zum Buch erfahrt ihr auf der Verlagsseite.

1 Kommentar

Zeilentänzerin 17. Mai 2022 - 12:24

Wow, das Buch hat dich wirklich begeistert =) Ich finde das Cover schon sehr einnehmend und wunderschön. Märchenhafte Themen sind jetzt nicht so ganz meins, aber ich kann nach deiner Rezension nachvollziehen, dass dich das Buch so mitnehmen konnte.

Zeilentänzerin

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