Beitragsbild zu Main Street von Sinclair Lewis
Kurzmeinung

Main Street

Auf Main Street von Sinclair Lewis wurde ich durch einen Artikel in einer Literaturzeitschrift aufmerksam. In diesem stand, wie aktuell Sinclair Lewis‘ Bücher auch heute noch sind – Main Street wurde 1920 veröffentlicht. Der Artikel machte Lust auf die Bücher von Sinclair Lewis und so gelangte der Roman in mein Bücherregal.

Ich habe mich für die Manesse-Ausgabe entschieden, da mir die Aufmachung so gut gefiel. Besonders das Format (9,0 x 15,0 cm) hat mich angesprochen.

Worum geht’s?

Carol, eine junge Frau aus Chicago, heiratet einen älteren Arzt aus der Provinz und zieht mit ihm in eine Kleinstadt in Minnesota. Alles dort missfällt ihr: Die provinziellen Menschen, die hässliche Stadt, die fehlende Kultur… Carol möchte Änderungen in die Stadt bringen, aber die Stadt weigert sich.

Kurzmeinung

Ich bin immer wieder überrascht, wie gut sich einige „alte“ Bücher lesen lassen und Main Street gehört auf jeden Fall dazu. Obwohl es 100 Jahre auf dem Buckel hat, erscheint es nicht alt. Im Gegenteil, diese soziale Satire wirft Fragen auf, die auch heute noch aktuell sind. Die Menschen in der Kleinstadt wettern gegen alles Fremde, z. B. gegen einen jungen schwedischen Mann, der sich anders als die anderen anzieht und so gerne Künstler wäre (ein Vorhaben, das Carol glühend unterstützt).

Die Menschen in der Kleinstadt leben nach dem Motto:

Eine gute, altmodische Predigt ist viel besser für die Leute wie ein Haufen Geographie und Bücher und Zeugs, das kein Mensch braucht.

Main Street, Seite 296

Dennoch ist Main Street kein Angriff auf das Leben außerhalb einer Großstadt. Sinclair Lewis spöttelt zwar über die Provinz, allerdings stellt er auch Carol nicht als Heldin dar. Vielmehr muss sie sich auf ihre Litanei, in der Kleinstadt gäbe es nur nichtssagende Leere und schlechte Manieren und gehässiger Tratsch anhören:

Natürlich gibt’s das hier. Aber in Boston doch genauso. Und an jedem anderen Ort. Die Fehler, die Sie Gopher Prairie ankreiden, liegen einfach in der menschlichen Natur.

Main Street, Seite 603

Und so ist es auch.

Main Street ist ein sehr gut geschriebenes Buch, das sich trotz seines Alters wunderbar lesen lässt. Der Roman wartet mit detailverliebten Schilderungen auf, die sich allerdings manchmal etwas zäh auf den Lesefluss auswirken. Sehr gut gefallen hat mir zudem der Witz des Autors. Die von ihm verteilten Spitzen haben mich oft Schmunzeln lassen. Main Street ist sicher nicht mein letztes Sinclair Lewis´ Buch.


In Deutschland erschien Main Street erstmals im Jahr 1922.


Buchcover Main Street von Sinclair Lewis

Titel: Main Street
Originaltitel: Main Street (US 1920)
Autor: Sinclair Lewis
Verlag: Manesse
Seitenzahl: 1008
Genre: Roman
Veröffentlicht: 23.04.2018
Übersetzerin: Christa E. Seibicke
ISBN: 978-3-7175-2454-0

Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch und zum Autor.

Klappentext: Carol Kennicott, eine junge Frau aus Neuengland, hat es in ein Provinznest verschlagen, deren Einwohner, so merkt sie rasch, völlig anders ticken als sie. Um keinen Preis wollen sie von Vorurteilen abrücken und mit neuen Ideen beglückt werden. Im Gegenteil: Wer an ihren tief verwurzelten Überzeugungen rüttelt, kann sein blaues Wunder erleben. So entspinnt sich ein Kampf zwischen zwei konträren Weltbildern – urbane Liberalität vs. rustikales Hinterwäldlertum. Dass Letzteres nicht so einfach zu überwinden ist, sondern böse zurückschlägt, wenn es sich bedroht fühlt, lässt sich an der USA der Gegenwart ebenso studieren wie an diesem turbulenten, unterhaltsamen Klassiker.


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