Liebe Rock

von Marie
85 Aufrufe

Bereits die Leseprobe von Liebe Rock hat mich sehr beeindruckt. Dazu hatte ich mir notiert: „Der Stil ist verrückt und irgendwie nervig, aber dadurch richtig gut.“ Und so ist auch mein Fazit nach dem Lesen von „Liebe Rock“. Das Buch ist wirklich verrückt und durch den eigenwilligen Stil teilweise auch etwas nervig. Doch genau das macht das Buch spannend. Es treibt Spiele mit dem Leser, lässt ihn im Regen stehen und knallt ihm das Buch an den Kopf. Es ist das, was der Protagonist Timm erlebt.

Liebe Rock, wenn du das liest, bin ich tot.

Der erste Satz aus „Liebe Rock“

Der 18jährige Timm hat die Schule abgebrochen, um Schriftsteller zu werden. Saufend (ja, das Wort passt!) sitzt er in einer abgeranzten Kneipe, wo er auf die Kellnerin Rock trifft. Kurz darauf zieht er in ein kleines Zimmer in ihrer Wohnung, in der schon ihr Mitbewohner/Freund/Liebhaber Marc und Rocks Hund wohnen. Wie Timm es schafft, in kurzer Zeit alle gegen sich aufzubringen, erzählt Liebe Rock.

Abgründe tun sich auf

Timm wird zu einem Besessenen: Besessen davon, einen Bestseller zu schreiben und besessen von Rock, die er unbedingt für sich gewinnen will. Für beides tut er alles – was seine Psyche bald nicht mehr mitmacht. Timm trinkt (viel zu viel), führt Gespräche mit Rocks Hund und später mit einer Katze, behandelt Tiere oft grausam und Menschen mit einer ätzenden Attitüde, dass man Timm eigentlich nur unsympathisch (im besten Fall) finden kann. Allerdings wurde mir beim Lesen immer mehr klar, wie „kaputt“ Timm ist und das vieles, das er tut, eine Art Hilferuf ist – auch wenn er selbst das natürlich nicht wahrhaben will.

Dabei lässt schon der erste Satz erahnen, dass es mit Timm abwärts geht. „Liebe Rock, wenn du das liest, bin ich tot“. Trotz dieser miesen Perspektive geht es zunächst recht humorig zu. Doch erstmal im Abwärtsstrudel gefangen, schwingt im Humor auch ein anderer Ton mit, etwas Bedrückendes. Dazu passt, dass das Buch als Countdown geschrieben ist. Es beginnt bei 100 und geht immer weiter runter. Je weiter Timms Besessenheit geht, desto klarer wird, dass den Leser (und Rock, für die dieser Abschiedsbrief in Buchform ja ist) in Kapitel 1 nichts Gutes erwartet.

Allerdings denke ich auch, dass jeder dieses Buch anders liest. Wer Menschen mit psychischen Störungen kennt bzw. solche Störungen selbst erlebt hat, wird Liebe Rock sicher anders lesen. Für andere ist der Roman vielleicht auch nur „völlig durchgeknallt“. So oder so – ich kann Tom Zürchers Buch voll und ganz empfehlen. Und ich werde mir nun auch die anderen Bücher des Autors ansehen, der mir bis Liebe Rock völlig unbekannt war.

Gelungenes Gesamtkonzept

Noch ein Wort zum Gesamtkonzept. Bei Liebe Rock stimmt es 100%ig. Der Verkaufssatz „Ein wenig Popliteratur, ein wenig Bukowski, viel Herz und viel Schmerz, vorgetragen in einem irren Sound“ passt zum Buch. Auch das Cover ist perfekt gewählt. Es sieht abgenutzt, abgetragen, abgeranzt aus und erinnert an das Wachstuchheft, dass der Protagonist Timm mit sich rumträgt. Zudem suggeriert es, dass Liebe Rock das Werk ist, dass Timm in dem Buch schreibt, also wieder sehr Meta.

Fazit

Ein abgedrehter, sprachlich eigenwilliger und genialer Roman. Unbedingt lesen.


Herzlichen Dank an vorablesen und den Picus Verlag für das Rezensionsexemplar. Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

2 Kommentare

Buchperlenblog 11. August 2021 - 6:48

Guten Morgen!
Das klingt wirklich sehr außergewöhnlich und dadurch super interessant! Allerdings, wenn du sagst der Stil ist zuweilen doch nervig, sollte ich mir vorher mal eine Leseprobe vornehmen, man weiss ja nie =)
Lieben Dank für die Vorstellung!
Gabriela

Antworte
Marie 11. August 2021 - 8:32

Guten Morgen Gabriela.
Sehr gerne. Ja, das mit der Leseprobe ist eine gute Idee, denke ich. Der Stil ist wirklich recht eigenwillig. 😉
Liebe Grüße
Marie

Antworte

Ich freue mich über deinen Kommentar

* Mit dem Senden des Formulars erkläre ich mich mit der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten durch diese Website einverstanden.