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„Monster auf der Couch“ von Jenny Jägerfeld & Mats Strandberg

von Marie
Veröffentlicht: Letztes Update 59 Aufrufe
Beitragsbild zu Monster auf der Couch von Jenny Jägerfeld und Mats Strandberg

Wie hätte sich die Geschichte um Viktor Frankenstein, seiner Verlobten Elisabeth und das von Frankenstein erschaffene Monster entwickelt, wenn die drei eine Therapie gemacht hätten? Diese Frage haben sich die Autoren Jenny Jägerfeld und Mats Strandberg gestellt und daraus Monster auf der Couch entwickelt. Wer nun denkt, dass sich hinter diesem Buch eine schnöde Fantasy- bzw. Gruselgeschichte versteckt, der irrt. Tatsächlich hat mich Monster auf der Couch sehr überrascht. Jenny Jägerfeld und Mats Strandberg haben hier eine originäre Idee gehabt und toll umgesetzt.

Monster auf der Couch

Eine Frau wendet sich an die schwedische Polizei. Ihre Frau, eine Psychologin, ist seit einem knappen Monat verschwunden. Die Polizei durchsucht das Büro der Psychologin und findet blutbefleckte Akten über Therapiesitzungen mit sehr besonderen Menschen: Viktor Frankenstein, Dorian Gray, Dr. Jekyll und die Vampirin Carmilla – sie alle waren bei der in Stockholm arbeitenden Psychologin in Therapie. Nun ist sie verschwunden. Was ist passiert?

Realität oder Fiktion?

Geschickt spielt Monster auf der Couch mit der Idee, dass es sich um eine wahre Geschichte handeln könnte. Alle Namen, bis auf die der bekannten Figuren, sind geschwärzt. Es gibt Gesprächsnotizen mit Randbemerkungen, Fotos, Skizzen und Briefe bzw. E-Mails. Auch ist ein Fachartikel der Autorin Jenny Jägerfeld enthalten. Überhaupt ist der Roman sehr liebevoll gestaltet. Immer wieder variieren das Schriftbild und die Aufmachung der Seiten, was das Buch sehr abwechslungsreich macht.

Einblick in das Buch Monster auf der Couch
Laura und die Vampirin Carmilla

Die Idee, den meist aus der viktorianischen Epoche stammenden Romanfiguren mit einer modernen Therapie helfen zu wollen, ist klasse. Der Narzissmus des Dorian Gray, Dr. Jekyll, der mit Sigmund Freud konfrontiert wird, Carmilla, die sich mit ihrer Unsterblichkeit und ihrer sterblichen Geliebten auseinandersetzen muss … Geschlechterrollen, Homosexualität und überhaupt eine veränderte Weltanschauung werden ebenfalls thematisiert.

Die Gesprächsnotizen geben Einblick in die therapeutische Arbeit. Wer sich für Psychologie interessiert, kann hier sicher einiges mitnehmen. Gerade, weil die Autorin Jenny Jägerfeld selbst Psychologin ist und demnach weiß, wovon sie schreibt.

Klassiker der Literatur

Monster auf der Couch empfiehlt sich vor allem für diejenigen, die diese Literaturklassiker kennen und wissen, warum Dorian Gray ein Bild versteckt hat oder wer Mr. Hyde nun eigentlich ist. Daraus ergibt sich auch die Spannung, da die Psychologin diese Kenntnisse nicht hat und erst im Laufe der Gespräche darauf kommt, mit welchen Problemen sich die Charaktere rumschlagen.

Allerdings wird hier nicht ganz klar, warum die Psychologin nicht weiß, wer da wirklich vor ihr sitzt. Da das Buch ja ein wenig mit der Idee spielt, es könnte sich um eine reale Geschichte handeln, passt die Unkenntnis der Psychologin nicht so ganz. Sofern man darüber hinwegsieht, ist das Buch ein spannender Einblick in die Psyche (vermeintlicher) Monster.

Fazit

Monster auf der Couch ist eine raffinierte Geschichte um literarische (Horror-)Figuren des 19. Jahrhunderts, die sich bei einer schwedischen Psychologin in Therapie begeben. Originell und liebevoll aufgemacht – ein lesenswertes Buch.


Herzlichen Dank an das Bloggerportal der Penguin Random House Verlagsgruppe für das *Rezensionsexemplar*.

Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

2 Kommentare

Sophia (Wordworld) 6. September 2022 - 22:27

Hey Marie,

ich habe mich beim Lesen auch sehr gewundert, weshalb die Psychologin die Klassiker nicht kennt (welche ich bis auf das Bildnis des Dorian Gray alle gelesen habe und bei letzterem kenne ich zumindest das Theatherstück) und somit nicht schon viel früher einordnen kann, mit was sie es zu tun hat. In Anbetracht der Tatsache, dass sie ja eine zeitgenössische Figur sein soll, fand ich das auch ein bisschen unglaubwürdig.
Die Idee insgesamt hat mir aber total gut gefallen!

Liebe Grüße
Sophia

Antworte
Marie 7. September 2022 - 13:06

Hi Sophia,
die Idee war wirklich super. Aber warum die Psychologin die Figuren nicht kennt, erschließt sich mir nach wie vor nicht. Dazu hätte es irgendeine Erklärung geben müssen, finde ich.
Liebe Grüße
Marie

Antworte

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