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„Der Hund, der nur Englisch sprach“ von Linus Reichlin

von Marie
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Rezension zu Der Hund der nur Englisch sprach von Linus Reichlin

Hund auf dem Cover plus Hund im (skurrilen) Titel – als Hundefan ist meine Neugierde damit natürlich geweckt. Was für eine Geschichte Linus Reichlin wohl zu erzählen hat? Was auch immer ich mir gedacht hatte, mit so einem aberwitzigen Roman hatte ich nicht gerechnet. Der Hund, der nur Englisch sprach ist ein ganz besonderer Trip – im wahrsten Sinne des Wortes!

Der Hund, der nur Englisch sprach – worum geht es?

Felix Sell hat eine eher pragmatische Sicht aufs Älterwerden. Wenn er sich ein neues Bücherregal kauft, schätzt er zum Beispiel vorher ein, ob das Preis-Leistungs-Lebenserwartungs-Verhältnis gewahrt ist. Und wenn er in seiner Plattensammlung auf einen uralten LSD-Trip stößt, probiert er ihn natürlich aus, er hat schließlich nichts zu verlieren. Doch als kurz darauf ein kleiner Hund vor seiner Tür steht und fluchend reinkommen will, gerät Felix Sells entspannte Perspektive auf das Dasein ins Wanken. Denn bevor er herausfinden kann, ob der englisch sprechende Hund real oder eine Erfindung seines frisch berauschten (oder zu alten?) Gehirns ist, dringen zwei (offenbar echte?) Verfolger in seine Wohnung ein. Felix bleibt nichts übrig, als erstmal das Naheliegende zu tun: den Hund in Sicherheit bringen und Indizien dafür sammeln, ob er existiert oder nicht. Was er nicht ahnt: Dies ist der Anfang eines Geschehens, das ihn für immer aus seinem festgefahrenen (Rest-)Leben beamen wird.

Klappentext

Was für ein Trip!

Protagonist Felix hat zunächst noch alles im Griff, mehr oder weniger. In seiner Berliner Wohnung hängt er den unterschiedlichsten Gedanken nach. Teils banal, teils philosophisch sind seine Überlegungen. Lohnt sich in seinem Alter die Anschaffung eines neuen Bücherregals überhaupt noch? Können Drogen überlagern? Wie geht es seiner alten Flamme Nicole, die mittlerweile die Gattin des Bundespräsidenten ist und deren Leben er bisweilen mittels Klatschzeitschriften verfolgt?

Es ist schon merkwürdig, dass es Menschen gibt, die jetzt so jung sind, wie Nicole und er es einmal waren. Es kommt Felix fast ein bisschen überflüssig vor: Er war doch schon jung, warum müssen andere es jetzt auch noch mal sein, ist das nicht redundant?

Seite 11

Der Hund, ein Jack Russell namens Hobo, bringt Felix‘ wirre Gedanken noch weiter in Aufruhr. Denn Hobo, der ein amerikanisches Englisch mit oft unverständlichen Redewendungen spricht, ist davon überzeugt, dass er entführt wurde und dringend zurück nach Florida muss. Dort hat er viele Freunde, die Felix reich entlohnen werden („three hundred thousand bucks“), wenn er den besonderen Hund zurückbringt – sagt der Hund!

Jeden Tag möchten Millionen Leute in ihrem ganz normalen Leben den Stoppknopf drücken, weil sie in Situationen hineingeraten, die genauso übel sind wie eine üble Halluzination.

Seite 29

Durch und durch schräg

Felix und Hobo begeben sich auf eine Art Roadtrip. Sie streiten und diskutieren, haben Spaß beim Stöckchenwerfen, essen gemeinsam Burger. Um die Zeit bis zum Flug zu überbrücken, tauchen sie bei Felix‘ Schwester Simona unter, die noch ganz andere Theorien zu einem sprechenden Hund hat. Stichwort: Verschwörungstheorien!

Das reicht noch nicht? Felix killt Bäume, denkt über Miniatureisenbahnen nach und sucht am Hundepo nach einem Port. Menschen kommen zu Tode, Apfelküchlein kündigen Unheil an und ein Fleischklopfer wird zur Waffe. Und wenn gerade nichts passiert, muss man über irrwitzige Sätze lachen.

Rasentrimmer sind für ihn der Beweis dafür, dass eine Zivilisation sich auch zu sehr entwickeln kann, und dann wird für das geringste Problemchen eine Maschine erfunden, die laut ist und sich nur deshalb durchsetzt, weil Männer gern einen Apparat in der Hand halten.

Seite 279

Das Buch ist vollkommen schräg und manchmal hatte ich das Gefühl, dass der Autor Linus Reichlin während des Schreibens selbst unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Stoffe stand. Das meine ich als Kompliment, denn Der Hund, der nur Englisch sprach strotzt nur so vor skurrilen Ideen, Szenen und Gedanken bzw. Dialogen. Ich bin begeistert!

Überraschendes Ende

Im letzten Drittel angekommen habe ich ein paar Mal gedacht: Wohin soll das führen? Wie wird Linus Reichlin das Buch beenden? Ich hatte eine negative Vorahnung und habe sehr gehofft, dass er die Geschichte nicht auf diese Weise auflöst. Natürlich hätte ich aufgrund der vorangegangenen Geschichte damit rechnen können, dass auch das Ende nicht „normal“ ist. Meine Vorahnung wurde nämlich einerseits bestätigt, andererseits nicht. Wie der Autor das Ende gelöst hat, verrate ich natürlich nicht. Nur so viel: Es passt hervorragend zum Rest der skurrilen Geschichte und im Nachwort rundet der Autor sein grandioses Buch perfekt ab:

So. Genau so war das. Und wenn jetzt noch Fragen offen sind: Sorry! Dann kann ich nur raten: Kaufen Sie nächstes Mal das Buch eines Autors, der auf alles eine Antwort hat.

Seite 314

Der Hund, der nur Englisch sprach ist ein verrücktes Werk. Was ist Realität und was ist dem Drogenrausch geschuldet? Vielleicht liegt die Wahrheit ja auch irgendwo dazwischen? Eine Antwort auf diese Fragen erhalten weder die Leser noch der Protagonist Felix. Und das macht Linus Reichlins Roman auch so genial.

Fazit

Der Hund, der nur Englisch sprach ist ein aberwitziger und sehr skurriler Trip! Linus Reichlin spielt mit unserer Wahrnehmung und hält ein überraschendes Ende bereit. Ein großes Lesevergnügen.

Herzlichen Dank an den Galiani Verlag für das Rezensionsexemplar.

Der Hund, der nur Englisch sprach“ von Linus Reichlin.
Am 17.08.2023 im Galiani Verlag erschienen.
ISBN: 978-3-86971-285-7 / 320 Seiten

4 Kommentare

Wolfgang Weiland 25. August 2023 - 11:37

klingt schön…
habe gerade das buch davor von ihm ausgeliehen…
mal schaun
seinen krimi ‚die Sehnsucht der Atome ‚ fand ich damals toll…

liebe Grüße zu dir

Wolfgang

Antworte
Marie 25. August 2023 - 11:54

Ich kannte den Autor vorher gar nicht, aber der Hund hat mich angesprochen. ;-) Ich werde mal schauen, was er noch so geshrieben hat. Deine Empfehlung als erstes.
Liebe Grüße zu dir zurück!

Antworte
BuchBesessen 25. August 2023 - 13:11

Ich mag das Cover, den Titel, die Beschreibung und deine Rezension – das sind schon mal gute Voraussetzungen. Klingt wirklich schräg und witzig. Ich mag so leichte und unterhaltsame Bücher zwischendurch total. :)

Antworte
Marie 25. August 2023 - 17:04

Danke dir! ❤️ Ich kann mir vorstellen, dass es dir gefällt. Das Buch hat mich wirklich sehr gut unterhalten, wie man sieht. 😄

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