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„Das dritte Königreich“ von Karl Ove Knausgård

von Marie
Rezension zu Das dritte Königreich von Karl Ove Knausgård

Werbung: Herzlichen Dank an den Luchterhand Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Das dritte Königreich (OT: Det tredje riket) von Karl Ove Knausgård.
Am 15.05.2024 im Luchterhand Verlag erschienen.
Aus dem Norwegischen übersetzt von Paul Berf.
ISBN: 978-3-630-87710-5 / 656 Seiten

Der Morgenstern von Karl Ove Knausgård gehörte 2022 zu meinen Jahreshighlights. Nach der sehr guten Fortsetzung Die Wölfe aus dem Wald der Ewigkeit folgt nun mit Das dritte Königreich der dritte Teil der Morgenstern-Reihe.

Das dritte Königreich – worum geht es?

Die Tage sind endlos lang in diesem Sommer in Norwegen, und die Hitze ist schier unerträglich. Die Welt scheint irgendwie still zu stehen, und als Erstem fällt dies Syvert, dem Bestatter, auf. Immer mehr Tage vergehen, ohne dass Todesfälle gemeldet werden. Wie kann das sein? Viele Fragen hat auch die neunzehnjährige Line, die sich in Valdemar, den Frontmann einer sagenumwobenen Band, verliebt. Sie wird in eine geheime, faszinierende Welt hineingezogen, die sie aber auch ängstigt und an die Grenzen des Verstehbaren bringt. Dies wiederum hat sie mit dem Polizisten Geir gemeinsam, der in einem makabren Dreifachmord ermittelt und über die vermeintlich abwegige Theorie, die er am Ende aufstellt, mit niemandem sprechen kann. Ist es letztlich die fragile Künstlerin Tove, die mehr versteht als die anderen? Sie erschafft Bilder, die von den untergründigen Strömungen aus Sexualität und Tod in den Volksmärchen inspiriert sind. Eines Tages hört sie eine Stimme, die zu ihr spricht – und ihr etwas abverlangt.

Klappentext

Bekannte Protagonisten

Knausgård mag es ausufernd, so viel steht fest. Und das beweist er auch wieder mit Das dritte Königreich, dem mittlerweile dritten Band seiner Morgenstern-Reihe, die insgesamt (so mein aktueller Stand) auf sieben Teile anwachsen wird. Abwechselnd führen mich Protagonisten, die ich bereits aus den anderen beiden Büchern kenne, durch die Geschichte. Wie bereits im ersten Teil erleben wir das „normale“ Leben durch die Augen unterschiedlichster Menschen, beginnend mit Tove, der manisch-depressiven Künstlerin.

Sie sagen, Depression sei erstarrte Wut. Ich selbst stelle sie mir als einen versteinerten Troll vor. Ein Geschöpf der Dunkelheit – rasend, gefährlich -, vom Tageslicht in etwas Unbewegliches und Lebloses verwandelt.

Seite 11

Aber auch die Pfarrerin Kathrine, die vermeintlich tote Menschen sieht, und Syvert, der Bestatter, der im letzten Teil in Russland war, und nun verwundert feststellt, dass seit einer guten Weile kein Mensch mehr stirbt, bekommen ihre Kapitel. Ebenso ist der sich in einer Krise befindliche Stararchitekt Teil der Geschichte, ebenso wie Geir, der Polizist mit Doppelleben, der seine eigene Theorie bezüglich der grausamen Morde verfolg. Kapitelweise wechseln die Protagonisten und damit der Ich-Erzähler.

Philosophie und Brutalität

Fasziniert habe ich an mir beobachtet, dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin und dass, obwohl die Geschichte an sich viel Zeit braucht. Und auch in diesem Band gehen die Geschichten der Protagonisten nur weiter. Nichts wird zum Abschluss gebracht, wir folgen ihnen nur wieder für eine kurze Zeit durch ihr größtenteils ganz normales Leben.

Allerdings muss ich auch sagen, dass der Roman im Gegensatz zu Der Morgenstern, an den er meiner Meinung nach direkt anschließt, noch düsterer im Unterton geworden ist. Eine unterschwellige Bedrohung liegt über den einzelnen Protagonisten und ihrem Leben. Da wäre z. B. die junge Line, die sich in einen Black-Metal-Sänger verliebt und bei deren Zusammentreffen ich immer das Gefühl hatte, dass jetzt etwas Schlimmes passiert – ob das so ist, verrate ich natürlich nicht. Weiter steht auch der bereits in Band Eins stattgefundene grausame Mord an den Mitgliedern einer Band (sehr detaillierte Grausamkeiten!) im Mittelpunkt des Geschehens sowie teufelsähnliche (?) Gestalten, die durch Videoaufnahmen huschen oder mit Tove „ins Gespräch kommen“. Kurz vorm Schlafen würde ich das Buch wohl nicht lesen wollen.

Genial wie Teil 1

Insgesamt finde ich es schwierig, meine Meinung zu Das dritte Königreich in Worte zu fassen. Es passiert einiges, aber eben auch auf sehr vielen Seiten, so dass vielleicht auch wenig passiert (ist das verständlich? 😄) Zwischendurch wird es sehr philosophisch (das kennen wir ja schon aus den vorherigen beiden Bänden) und auch bizarr. Fest steht: Ich bin wieder absolut begeistert von dem neuen Teil der Morgenstern-Reihe. Mit Die Wölfe aus dem Wald der Ewigkeit hatte mich Karl Ove Knausgård ein wenig verloren (also im My-Bereich). Der dritte Teil ist allerdings wieder genauso stark wie der erste. Ich freue mich sehr auf den kommenden Band.

Fazit

Mit Das dritte Königreich, das direkt an Der Morgenstern anschließt, hat mich Karl Ove Knausgård wieder absolut überzeugt. Düsterer als die beiden Vorgänger, philosophisch und teilweise sehr blutig ist der dritte Band ein wahrer Lesegenuss. Ich freue mich auf den nächsten Band und kann die Reihe bisher ohne Abstriche sehr empfehlen.


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2 Kommentare

BuchBesessen 11. Juli 2024 - 20:12

(Ja, das ist verständlich :D)

Toll, dass dich die Reihe so begeistert. Ich habe viel von seinen Büchern gehört, aber noch keins gelesen.

Liebe Grüße

Antworte
Marie 12. Juli 2024 - 17:01

Puh! 😄
Ich kann dir die Reihe – wie du gelesen hast – nur empfehlen. Ansonsten habe ich auch noch nichts von ihm gelesen. Er soll ja allgemein sehr ausschweifend schreiben. Das muss man wohl mögen :)
Liebe Grüße zurück und ein schönes Wochenende

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