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„Was ich euch nicht erzählte“ von Celeste Ng

von Marie
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Was ich euch nicht erzählte von Celeste Ng

Was ich euch nicht erzählte ist ein bedrückendes Buch. Der Roman erzählt von der amerikanisch-chinesischen Familie Lee, deren Teenager-Tochter Lydia eines Tages tot aufgefunden wird. Warum sie gestorben ist und wer möglicherweise daran schuld ist, bringt Autorin Celeste Ng dem Leser in Rückblicken nahe.

Achtung: Der Text enthält kleinere *Spoiler*.

Der Leser erfährt vom Kennenlernen der Eltern Marilyn und James. Sie eine Amerikanerin, er ebenso, doch mit dem Unterschied, dass seine chinesischen Eltern einst in die USA auswanderten. Sie treffen sich im Jahr 1957 und es wird erzählt, wie sie trotz aller Widrigkeiten (Marilyns Mutter war z. B. strikt gegen die Verbindung) zueinanderfanden, heirateten und Kinder bekamen. Lydias Geschwister Nathan und Hannah kommen zwischendurch ebenfalls zu Wort, ihre Sicht auf die Geschichte macht das Geschehene ebenso deutlich wie die Vergangenheit der Eltern. Und auch Lydias Weg bis zu ihrem Verschwinden wird beleuchtet.

Zwinge dich zu lächeln. Tu so, als wärst du glücklich, und in der Regel bist du es dann auch.

Was ich euch nicht erzählte, Seite 179

Langsam kristallisiert sich heraus, dass Lydias Eltern sich für ihre Tochter Lydia das wünschen, was ihnen verwehrt geblieben ist. Die Mutter, die ihre Karriere als Medizinerin für ihren Mann und ihre Kinder aufgegeben hat, will nicht, dass ihre Tochter „nur“ Hausfrau und Mutter ist, während der Vater vor allem möchte, dass Lydia „dazu gehört“, viele Freunde hat und überall beliebt ist – etwas, das er nie hatte, fühlte er sich doch immer als Außenseiter. Ausgehend von den Eltern sind diese Wünsche nur allzu verständlich, leider merken sie in ihrem Eifer nicht, wie sehr sie Lydia unter Druck setzen.

Vorher war ihr nicht klar gewesen, wie brüchig Glück war und wie leicht man es umstoßen und zerstören konnte, wenn man achtlos war.

Was ich euch nicht erzählte, Seite 265

Ein Mädchen im Scheinwerferlicht

Lydia verändert sich im Scheinwerferlicht der elterlichen Aufmerksamkeit, Trost findet sie zunächst nur bei ihrem Bruder Nath. Dem geht das mangelnde Interesse der Eltern ebenso nahe, wie Lydia das „zu viel“ an Interesse und dass, obwohl Nath außergewöhnlich gut in der Schule ist und im Laufe der Geschichte sogar eine Einladung nach Harvard bekommt. Beachtung findet er dennoch nur halbherzig.

Doch ehe er ein Wort sagen konnte, tapste Lydia die Treppe herunter, und die Aufmerksamkeit seiner Mutter schwebte davon und landete auf Lydias Schultern.

Was ich euch nicht erzählte, Seite 151

So ist es die ganze Geschichte über. Die jüngste Tochter Hannah wird sogar oft buchstäblich übersehen. Furchtbar fand ich die Szene, in der Mutter Marilyn den Tisch für sich und James sowie Nath und Lydia deckt und erst, als Hannah ins Zimmer tritt, fällt ihr wohl wieder ein, dass sie drei Kinder hat. Mehr als einmal hat mir die Beschreibung dieser äußerlich so intakten, liebevollen Familie, die im Inneren durch ganz eigene Mechanismen zusammengehalten wird, die nach und nach offengelegt werden, eine Gänsehaut beschert.

Poetische Sätze

Was ich euch nicht erzählte ist kein Wohlfühlbuch, nur am Ende ist ein kleiner Hoffnungsschimmer zu erkennen. Die Bezeichnung „literarischer Thriller“, wie auf der Umschlagrückseite zu lesen ist, trifft es dabei sehr genau. Celeste Ng schreibt eindrücklich und mit einer besonderen Poesie:

Die echten Sterne glitzerten wie Pailletten. So sieht Unendlichkeit aus, dachte sie, und ihre Helligkeit überwältigte sie wie tausend Nadelstiche in ihrem Herzen.

Was ich euch nicht erzählte, Seite 251

Fazit

Was ich euch nicht erzählte ist ein Debütroman, der noch lange nachklingt. Er macht nachdenklich und traurig. Empfehlenswert!


Ich habe das Buch als Hardcover gelesen, das derzeit aber nicht lieferbar ist. Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

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