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„Immer noch wach“ von Fabian Neidhardt

von Marie
Veröffentlicht: Letztes Update 32 Aufrufe
Beitragsbild zu Immer noch wach von Fabian Neidhardt

Was für ein tolles Buch zum Jahresbeginn! Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, habe ich befürchtet, dass ich das Buch nicht lesen kann, ohne sehr viele Taschentücher zu verbrauchen. Und ja, Immer noch wach ist sehr emotional, aber auf eine ganz anderer Weise, als ich zunächst angenommen hatte.

Eine schreckliche Diagnose

Alex muss sterben. Der 30jährige hat Krebs und nur noch wenige Monate zu leben. Von heute auf morgen sind alle Pläne dahin. Gerade hat er mit seinem besten Freund Bene ein Café eröffnet, hat mit Lisa die Liebe seines Lebens gefunden. Und nun ist sein Leben fast vorbei. Schnell steht für Alex fest, dass er die verbleibende Zeit mit seinen Lieblingsmenschen auskosten, dann aber alleine in ein Hospiz gehen will. Eine Chemo oder sonstige Behandlung lehnt er ab.

Die Regel ist, dass die Leute im Krankenhaus liegen und vielleicht sogar ein bisschen länger leben. Aber die Zeit, die sie noch haben, verbringen sie dort, und was hat das dann für einen Sinn?

Seite 62

Für Alex ist das kein Thema, auch Lisa und Bene können ihn nicht umstimmen.

Herzzerreißend

Das war wirklich heftig. Bei manchen Themen bin ich derart mitfühlend, dass ich fast das Gefühl habe, dabei zu sein. Diese Zerrissenheit auf beiden Seiten hat Fabian Neidhardt sehr glaubhaft dargestellt! Einerseits dachte ich mir, dass Alex doch das Recht hat, selbst zu entscheiden, auf welche Weise sein Leben zu Ende geht. Andererseits hat es mir die Tränen in die Augen getrieben, die Reaktion seiner Freunde zu lesen. Natürlich wollen sie nicht, dass Alex einfach aufgibt. Er soll um sein Leben kämpfen, soll sie nicht außen vor lassen und schon gar nicht alleine in einem Hospiz sterben. Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn so etwas in meinem näheren Umfeld passiert.

Die Launen des Schicksals

Das Buch beginnt damit, dass Alex ins Hospiz fährt. In kurzen Kapiteln – manche sind nicht mal eine Seite lang – erzählt Alex von seiner letzten Reise, blickt aber auch immer wieder auf kleine Episoden seines noch sehr jungen Lebens zurück. Im Hospiz schließt Alex Freundschaft mit Kaspar, eine endliche Freundschaft, wie beide wissen.

An dieser Stelle entscheidet sich Fabian Neidhardt übrigens für einen Twist und Alex bekommt eine zweite Chance. Aber was soll er damit anfangen?

Müssten wir nicht jeden Moment auskosten und mit Erinnerungen füllen, die für den Rest des Lebens reichen? Aber das Leben, unser Leben, besteht zum Großteil aus Alltag. Und ich liebe ihn, besonders jetzt, wo sein Ende gesetzt und greifbar ist.

Seite 142

Mir gefällt, wie Fabian Neidhardt diese Geschichte zu Papier gebracht hat. Es ist eine leise Geschichte und zwischen all der Trauer und Ohnmacht im Angesichts dessen, was Alex widerfährt, gibt es auch immer wieder humorvolle Momente. Es ist traurig, natürlich! Wer wäre nicht traurig? Aber dann ist Immer noch wach auch wieder herzerwärmend und zuversichtlich – trotz der todbringenden Krankheit.

Besonders gut gefällt mir auch Alex‘ Freundschaft zu Bene, die bereits seit Kindheitstagen besteht. In Rückblicken erzählt Alex immer wieder von tollen wie auch schlimmen Momenten, die die beiden Freunde zusammenschweißen. Hier habe ich ab und zu an Der Mauersegler von Jasmin Schreiber denken müssen – auch eine große Empfehlung!

Fazit

Mit Immer noch wach hat Fabian Neidhardt einen sehr berührenden Roman über das Leben, den Tod und eine zweite Chance geschrieben. Wunderbar!


Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

Immer noch wach ist ein Buch aus meinem großen Lovelybooks-Buchgewinn.

3 Kommentare

|Rezension| Immer noch wach - Fabian Neidhardt • Literatour.blog 21. Februar 2022 - 21:51

[…]   Weitere Rezensionen zum Buch: Buchrevier | Emerald Notes | Leselust. Andreas Kück | Literarische Abenteuer | Wörter auf Papier […]

Antworte
Lisa 17. Januar 2022 - 21:23

Du schaffst es mit deinen tollen Rezensionen immer wieder mein Interesse zu wecken. Sogar bei Büchern mit solch schweren Themen, zu denen ich sonst nicht greifen würde.

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Marie 17. Januar 2022 - 22:19

Das ist so lieb von dir, Lisa. Danke! ❤️

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