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„Schattenzeit“ von Oliver Hilmes

von Marie
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Rezension zu Schattenzeit von Oliver Hilmes

Seit einiger Zeit bin ich ein Fan von Büchern, die mir historische Ereignisse in Form von kleinen Anekdoten nahe bringen. Als Beispiel sei hier Liebe in Zeiten des Hasses , das beeindruckende Buch von Florian Illies, genannt. Auf der Suche nach weiteren Büchern in diesem Format bin ich auf Schattenzeit von Oliver Hilmes gestoßen.

Worum geht es in Schattenzeit?

Das Unheil nimmt seinen Lauf bei Kaffee und Kuchen. Der Krieg sei längst verloren, der »Führer« geisteskrank: Karlrobert Kreiten, 26 Jahre alt, ein hochbegabter Pianist mit goldener Zukunft, verliert im März 1943 ein unbedachtes Wort zu Gast bei einer Jugendfreundin seiner Mutter. Sechs Monate später stirbt er am Galgen.

Klappentext

Ein Denkmal für Karlrobert Kreiten

In einem Interview mit Deutschlandfunk Kultur erzählt der Autor Oliver Hilmes, „dass er „diesem armen Kerl“ ein Denkmal habe setzen wollen.“ Der „arme Kerl“ ist Karlrobert Kreiten. Ein Name, der mir vor diesem Buch kein Begriff war. Jetzt werde ich seinen Namen wohl nie mehr vergessen. Oliver Hilmes hat den Pianisten, der 1943 wegen „Wehrkraftzersetzung“ von den Nazis hingerichtet wurde, als roten Faden für Schattenzeit gewählt und bewegt mit dessen Schicksal. Ein Schicksal, das in diesem unmenschlichen Regime leider kein Einzelfall war.

Berührendes Mosaik

In kurzen Absätzen, manche nur wenige Zeilen lang, erzählt Hilmes außerdem von großen und kleinen Ereignissen des Jahres 1943 und setzt sie zu einem beklemmenden und berührenden Mosaik zusammen. Historische Dokumente wie z. B. Prozessakten, Tagebücher und Lageberichte zeigen uns Alltag und Abgründe dieses Jahres.

Erich Kästner notiert am 25. August 1943 in sein Tagebuch: »Der neue Gruß heißt jetzt in Berlin: ›Bleiben Sie übrig!«

Seite 203

Auszüge aus Pressekonferenzen mit teils absurd anmutenden Hinweisen (für die Alliierten kann auch „der Begriff Hilfsvölker der Sowjet-Union“ gebraucht werden“) und Einblicke in ein Frauenmagazin, das „hübsche Blüschen“ empfiehlt, wechseln sich ab mit Berichten über willkürliche Hinrichtungen und dem Prozess gegen Sophie und Hans Scholl sowie Christoph Probst.

Als Robert Scholl seinen Sohn Hans sieht, sagt er: »Ihr werdet in die Geschichte eingehen, es gibt noch eine Gerechtigkeit.«

Seite 66

Dies ist nicht die einzige Stelle, bei der ich das Buch zur Seite legen musste, weil es mir sehr zu Herzen gegangen ist. Vieles in diesem Buch ist schwer zu ertragen, egal, wie oft ich davon lese oder höre – es bleibt entsetzlich und traurig. Oliver Hilmes versteht es zum Glück aber, dem Buch ein wenig die Schwere zu nehmen, in dem er auch alltägliches wie z. B. die erwähnten Bekleidungstipps und humorige Anekdoten einfließen lässt.

Wichtiges Zeitdokument

Oliver Hilmes hat aus seiner umfassenden Recherche (belegt durch Quellenangaben im Anhang) ein spannendes und wichtiges Zeitzeugnis gemacht. Die vielen Dokumente haben mir das Jahr 1943 sehr nahe gebracht. Da Schattenzeit außerdem sehr lebendig und mitreißend geschrieben ist, spreche ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung aus.

Fazit

Schattenzeit ist ein umfassend recherchiertes und wichtiges Zeitzeugnis, das ab der ersten Seite fesselt und berührt. Oliver Hilmes Buch vermittelt Wissen und liest sich dennoch spannend wie ein Roman. Ich lege euch Schattenzeit sehr ans Herz.

Herzlichen Dank an das Bloggerportal von Penguin Randomhouse für das Rezensionsexemplar.

Schattenzeit von Oliver Hilmes.
Am 25.03.2023 im Siedler Verlag erschienen.
ISBN: 978-3-8275-0159-2 / 304 Seiten
Bewertung: 5/5

Schattenzeit wurde auch besprochen von: Von Buch zu Buch

2 Kommentare

Christine 1. April 2023 - 11:47

Das klingt nach einen ebenso bedrückenden, wie wichtigen Buch!

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Marie 1. April 2023 - 12:29

absolut!

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