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„Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens“ von Tom Barbash

von Marie
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Buchcover von Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens

Was für ein Roman! Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens von Tom Barbash hat mich komplett begeistert.

Mittelpunkt der Geschichte, die 1980 in New York beginnt, ist die komplexe Beziehung zwischen dem berühmten Talkshow-Moderator Buddy Winter und seinem 23jährigen Sohn Anton. Buddy will nach einem vor zwei Jahren erlittenen Nervenzusammenbruch wieder im Fernsehgeschäft Fuß fassen. Anton erholt sich indes von einer Malaria-Erkrankung, die er sich bei einem Einsatz als Freiwilliger in Afrika zugezogen hat. Während Buddy darauf hofft, dass sein Sohn ihm beim Wiederaufbau seiner Karriere hilft, möchte Anton endlich aus dem Schatten seines Vaters treten.

Eine richtig gute Talkshow gibt einem das Gefühl, als wären ein paar Freunde, die klüger, witziger und attraktiver sind als man selbst, spontan auf einen Absacker vorbeigekommen. So eine Show erschafft nicht die Illusion von Gesellschaft. Sie ist Gesellschaft.

Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens, Seite 214/2156

Eine richtig gute Gesellschaft ist auch dieses Buch. Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens ist derart lebendig und so voller Gespür für das Zeitgeschehen geschrieben, dass ich mich von Anfang an wie ein Teil der Geschichte gefühlt habe. Dafür sorgen nicht nur die wunderbaren Dialoge und Szenen, sondern auch die perfekte Kombination von fiktiven Figuren mit realen Menschen und Ereignissen. Tom Barbash macht dies sehr geschickt, indem er der fiktiven Familie Winter ein Appartement im Dakota, einem traditionsreichen Appartementhaus an der Upper West Side, sichert. Dort wohnen die Reichen, Schönen und Berühmten der Stadt und so sind auch die Winters immer Teil des Geschehens. Ein berühmter Bewohner des Gebäudes ist John Lennon, der seit Ewigkeiten ein Freund der Familie ist. Er lässt sich von Anton das Segeln beibringen und begibt sich mit ihm auch einen Segeltörn zu den Bermudas – ein für alle Personen richtungsweisender Trip.

Nicht nur John Lennon tummelt sich in Tom Barbashs Buch

John Lennons Trip zu den Bermudas ist nur ein reales Ereignis, das Tom Barbash aufgreift. Er lässt seine Winters zu den Olympischen Winterspielen in Lake Placid reisen und schickt Antons Mutter Emily in den Wahlkampf für Ted Kennedy. Ganz hervorragend gelingt es Tom Barbash dabei, die Szenen so zu beschreiben, als wäre man mitten im Geschehen. Am Ende blickt man wehmütig auf die letzte Seite und bedauert, dass dieses „beste Jahr“ so schnell vorübergegangen ist.

Zusätzlich zu den historischen Ereignissen haben mich die vielen Bezüge zur Film- und Musikwelt begeistert. So wird Anton gefragt, ob er manchmal, wenn er mit Leonard Bernstein im Aufzug steht, anfängt „A boy like that, who’d kill your brother….“ (ein Song aus der West Side Story) zu singen. Zudem beschreibt Anton die Wortwechsel seiner Eltern wie die von Nick und Nora Charles aus Der dünne Mann. Auch Elvis wird thematisiert, als Anton John Lennon über den Besuch der Beatles beim King of Rock and Roll ausfragt.

In dieser oder auch der Segeltörn-Szene schwingt eine gewisse Melancholie mit. Elvis ist 1980 schon drei Jahre tot und auch John Lennon wird das Jahr nicht überleben. Gelungen finde ich, dass Tom Barbash das Attentat nicht in „das beste Jahr unseres Lebens“ packt, sondern Anton davon in einer Art Prolog erzählen lässt. Auf diesen letzten Seiten geht Anton dann auch auf den weiteren Lebensweg der Familie Winter ein.

Fazit

Mit Mein Vater, John Lennon und das beste Jahr unseres Lebens hat Tom Barbash einen faszinierenden Roman und einen wahren Lesegenuss geschaffen. Mit seiner atmosphärisch dichten Geschichte, die gekonnt Fiktion mit historischen Ereignissen verbindet, und seinen wunderbaren Dialogen gehört dieses Buch definitiv zu meinen Jahreshighlights.


Herzlichen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar. Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

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