Die Reise mit Charley

von Marie
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Beitragsbild zu "Die Reise mit Charley"

Vor einigen Jahren (2012 um genau zu sein) habe ich Travels with Charley: In Search of America von John Steinbeck gelesen und war begeistert. Als mir eine deutsche Ausgabe in die Hände fiel, wollte ich sehen, ob mich Steinbecks Reise durch Amerika noch einmal überzeugen kann – auch in einer anderen Sprache. Und ja, sie konnte es. Meine Begeisterung für Die Reise mit Charley ist ungebrochen.

Roadtrip mit Pudel

Im Frühherbst 1960 begibt sich der Autor John Steinbeck mit seinem Pudel Charley auf eine Reise durch sein Heimatland. In einem nach Steinbecks Vorstellungen gebauten Campingwagen, den er Rosinante tauft, fährt das Paar durch die Vereinigten Staaten von Amerika. Es geht Steinbeck jedoch nicht nur darum, einmal „etwas anderes“ zu sehen, vielmehr will er feststellen, wie es um sein Land steht. Und was er vorfindet, beeindruckt den Autor stark – sowohl positiv als auch negativ. Sein Reisebericht – dieses Buch – erscheint im Jahr 1962.

Ich, ein amerikanischer Autor, der über Amerika schreibt, arbeitete nach dem Gedächtnis, und das Gedächtnis ist im besten Fall ein unzuverlässiger, trügerischer Speicher.

Die Reise mit Charley, Seite 9

John Steinbecks intelligenter Reisebericht liest sich auch in der deutschen Übersetzung von Burkhart Kroeber hervorragend. Steinbeck lässt uns an vielen humorvollen, aber auch traurigen und beängstigenden Erlebnissen seiner elfwöchigen Reise durch 34 Bundesstaaten teilhaben. Dabei schaut er ganz genau hin, porträtiert seine Mitmenschen mit feinem Blick und bietet dem Leser ein lebendiges Bild des amerikanischen Alltagslebens.

In ihren Augen lag etwas, das ich überall im Land immer wieder sehen sollte: ein brennendes Verlangen, zu gehen, sich zu rühren, aufzubrechen – egal wohin, nur fort von hier.

John Steinbecks Blick ist allumfassend. Er erfreut sich an der wunderbaren Natur und an den zufälligen Bekanntschaften „on the road“. Dann wieder ist er entsetzt über den Rassenhass im Süden. Ohne Weichzeichner teilt er seine Erfahrungen und das macht Die Reise mit Charley so lesenswert.

Die Reise mit Charley

John Steinbeck unterhält den Leser auch mit jeder Menge meist humorvoller Anekdoten über Charley, was mir als Hundebesitzerin natürlich sehr gefällt. Charley gehört für Steinbeck zur Familie und auf seiner elf Wochen langen Reise plaudert er ausgiebig mit dem Hund. Auch bietet der Pudel natürlich das ein oder andere Mal einen guten Grund, um mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen. Nicht zuletzt, als Charley erkrankt und Steinbeck in Texas einen Tierarzt aufsuchen muss.

Aktueller denn je

Hervorzuheben ist außerdem, wie zeitlos sein Werk wirkt. Obwohl das Buch knapp 60 Jahre alt ist, sind viele von John Steinbecks Gedanken aktueller denn je. Manchmal scheint es sogar, als würde er in eine Glaskugel schauen und den Ist-Zustand der heutigen Welt beschreiben. Dabei sind einige Sätze so schön wie beängstigend.

„Ich wollte, ich hätte nichts gegen Unterseeboote, denn dann fände ich sie schön. Aber sie sind zum Zerstören geschaffen“.

Fazit

Ein fein beobachteter, kurzweiliger und hervorragend geschriebener Reisebericht aus den 1960er Jahren, der teilweise sehr aktuell erscheint. Ein Klassiker der Reiseliteratur.


Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.

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