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„Als Großmutter im Regen tanzte“ von Trude Teige

von Marie
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"Als Großmutter im Regen tanzte" von Trude Teige

Werbung: Herzlichen Dank an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar.

Als Großmutter im Regen tanzte (OT: Mormor danset i regnet) von Trude Teige.
Am 22.02.2023 im Fischer Verlag erschienen.
Aus dem Norwegischen übersetzt von Günther Frauenlob.
ISBN: 978-3-949465-12-3 / 384 Seiten

Im April war ich auf der Leipziger Buchmesse und habe auch eine Lesung von Trude Teige zu ihrem Roman Als Großmutter im Regen tanzte besucht. Sie las kurze Absätze aus dem norwegischen Original und ihr deutscher Übersetzer Günther Frauenlob las längere Passagen auf Deutsch und stellte der Autorin auch immer wieder interessante Fragen zu ihrem Buch. Mit diesem Vorwissen war es umso spannender, Als Großmutter im Regen tanzte selbst zu lesen.

Als Großmutter im Regen tanzte – worum geht es?

Als Juni ins Haus ihrer verstorbenen Großeltern auf der kleinen norwegischen Insel zurückkehrt, entdeckt sie ein Foto: Es zeigt ihre Großmutter Tekla als junge Frau mit einem deutschen Soldaten. Wer ist der unbekannte Mann? Ihre Mutter kann Juni nicht mehr fragen. Das Verhältnis zwischen ihrer Mutter und ihrer Großmutter war immer von etwas Unausgesprochenem überschattet. Die Suche nach der Wahrheit führt Juni nach Berlin und in die kleine Stadt Demmin im Osten Deutschlands, die nach der Kapitulation von der russischen Armee überrannt wurde. Juni begreift, dass es um viel mehr geht als um eine verheimlichte Liebe. Und dass ihre Entdeckungen Konsequenzen haben für ihr eigenes Glück.

Klappentext

Vergangenheit und Gegenwart

In zwei Erzählsträngen erzählt Trude Teige einerseits von Juni, die mit schweren Entscheidungen ringt und zusätzlich das Geheimnis ihrer Großmutter aufdecken will, und andererseits von der Norwegerin Tekla, die zum Kriegsende im Mai 1945 mit dem deutschen Soldaten Otto nach Deutschland geht. Je nach Erzählstrang wechselt die Schriftart, so dass immer deutlich ist, ob wir uns gerade in der Vergangenheit oder Gegenwart aufhalten.

Die Menschen sagen immer, man soll nicht zurückblicken, aber das ist falsch. Man muss ein Stück weit zurückschauen, um zu wissen, wer man ist und woher man kommt.

Seite 39

Zugegeben, am Anfang fand ich die Geschichte um Juni etwas unnötig. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Strang die eigentliche Geschichte um Tekla in den Hintergrund drängt. Doch dann reist Juni an die Orte, an denen auch ihre Großmutter war, und ihrer beiden Leben verbinden sich auf eine wunderbare Art. Ein Erzählkniff, der mir sehr gefallen hat.

Unbekannte deutsch-norwegische Geschichte

Während Juni in der Gegenwart zu kämpfen hat, erlebt Tekla in der Vergangenheit Grausames. Hier zeigt die Journalistin und Autorin Trude Teige ein Stück unbekannter deutscher Geschichte auf, denn Tekla geht mit Otto zu seinem Heimathof in Demmin. Nur wenige Tage zuvor hatte das Vorrücken der russischen Armee eine Tragödie heraufbeschworen. Die Einzelheiten sind in ihrer Grausamkeit kaum zu ertragen.

Doch auch norwegische Geschichte wird aufgearbeitet.

Tekla zog ihren eigenen Schal tiefer in die Stirn. Ich bin eine von ihnen, dachte sie. Eine Ausgestoßene. Eine Tyskertøs – ein »Deutschenmädchen«, eine Hure, eine Verräterin.

Seite 25

Die Autorin erzählt von den norwegischen Frauen und Mädchen, die sich in deutsche Soldaten verliebten und deswegen verstoßen wurden. Ihnen wurden die Haare abgeschnitten, sie wurden gedemütigt und verprügelt. Die Frauen, die ihr Heimatland verließen, wurde der Pass abgenommen, damit sie nie wieder zurückkehren konnten.

Hervorragende Recherche

Als das beschreibt Trude Teige in ihrem hervorragend recherchierten Buch, für das die Autorin nach Demmin und Berlin reiste und für das sie Interviews mit Zeitzeugen studiert und selbst auch mit einem „Deutschenmädchen“ gesprochen hat. Diese akribische Recherche merkt man dem Roman an, der vor allem mit Teklas Geschichte sehr bewegt. Juni hingegen blieb mir als Protagonistin bis zum Ende etwas fremd. Was Als Großmutter im Regen tanzte aber vor allem ausmacht ist der bereits erwähnte Aspekt, dass sich Trude Teige um historische Ereignisse bemüht hat, die in Vergessenheit geraten sind und die deshalb vielen unbekannt sein dürften.

Fazit

Trude Teige nimmt uns in Als Großmutter im Regen tanzte auf eine bewegende Reise in die Vergangenheit mit und bringt uns unbekannte deutsche und norwegische Geschichte nahe. Empfehlenswert.

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