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„Darkly“ von Marisha Pessl – Düsterer Jugendthriller mit Sogwirkung

von Marie
Beitragsbild zur Rezension von Darkly von Marisha Pessl - Düsterer Jugendthriller mit Sogwirkung

Werbung: Herzlichen Dank an den Insel Verlag für das Rezensionsexemplar.

Seit ich vor über zehn Jahren „Die amerikanische Nacht“ von Marisha Pessl gelesen habe, bin ich ein großer Fan der Autorin. Auch „Die alltägliche Physik des Unglücks“ fand ich grandios. Vor sieben Jahren folgte mit „Niemalswelt“ ihr erster Jugendthriller und jetzt legt sie mit „Darkly“ nach. Ob mich auch dieser Roman so begeistern konnte? Das lest ihr in der folgenden Rezension.

Worum geht es in Darkly?

Dia ist siebzehn und seit Jahren fasziniert von Veda, einer legendären Spieleentwicklerin, deren düstere, hochkomplexe „Darkly“-Spiele Kultstatus erreicht haben. Nach Vedas rätselhaftem Tod sind ihre Werke rar und werden zu absurden Preisen gehandelt. Als Dia die Chance bekommt, sich für ein exklusives Praktikum bei der geheimnisvollen Louisiana Veda Foundation in London zu bewerben, ist für sie klar: Sie muss dabei sein. Im Bewerbungsschreiben muss sie nur eine Frage beantworten: Wofür würdest du töten?

Ich weiß, wie sie durch reine Willenskraft ihre eigene Legende aus der Taufe gehoben hat, mit der Entschlossenheit einer Kriegsgeneralin vor einer fast hoffnungslosen Offensive und mit einem provokanten, bedrohlichen und für eine Frau unerhörten Selbstvertrauen.

Seite 12

Aus Tausenden Bewerbern aus der ganzen Welt wählt die Foundation schließlich sieben Jugendliche aus. Doch statt eines klassischen Praktikums erleben sie etwas völlig anderes: Kaum sind sie angekommen, bringt man sie auf eine abgelegene Insel – und plötzlich stecken sie mitten in einem Spiel.

Schnell kippt die Stimmung. Räume wirken wie Kulissen, Menschen wie Darsteller und doch fühlt sich alles zu echt an, um bloß gespielt zu sein. Während die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit verschwimmen, merkt Dia, dass nicht nur Vedas Vermächtnis dunkle Schatten wirft, sondern auch ihre eigene Vergangenheit. Was zunächst wie ein ausgeklügeltes Escape-Room-Game wirkt, wird unberechenbar. Und Dia beginnt zu begreifen, dass es längst nicht mehr nur ums Gewinnen geht, sondern darum, wer dieses Spiel kontrolliert – und wem sie noch trauen kann.

Düster, verspielt, soghaft

„Darkly“ ist kein klassischer Thriller. Der Roman ist verspielt, ungewöhnlich und bewegt sich genau wie Dia auf ganz eigenen Pfaden. Teilweise scheinen die Figuren die Spielebene zu durchbrechen, beinahe aus dem Buch herauszutreten. Die Spannung entsteht dabei weniger durch Tempo als durch Atmosphäre: durch Rätsel, durch dieses konstante Gefühl von Unsicherheit, durch das leise Kippen jeder Szene. Marisha Pessl beherrscht diese unterschwellige Unruhe meisterhaft. Schon auf den ersten Seiten liegt etwas in der Luft, das man nicht greifen kann – aber auch nicht mehr loswird.

Der Laden meiner Familie ist nach Shakespeares Vers »Das Vergangne ist der Prologus« benannt. Eröffnet wurde er von meiner Großmutter, die ein Leben lang vergessene Dinge gesammelt hat.

Seite 19

Hier wird früh eine Spur gelegt: Vergangenheit ist nichts Abgeschlossenes, sondern wirkt nach. Dieses Motiv zieht sich durch den gesamten Roman und macht ihn zu einem Puzzle, das sich erst nach und nach zusammensetzt. Ich kann euch also nur empfehlen, „Darkly“aufmerksam lesen – Pessl streut ihre Hinweise manchmal nur beiläufig.

Doch egal wie qualvoll der Spielverlauf und die Auflösung auch sind, am Ende eines jeden Darklys siegt das Licht über die Finsternis, das Gute über das Böse, die Wahrheit über die Lüge.

Seite 147

Zwischendurch spürte ich Schwingungen wie bei „Edith Holler“ von Edward Carey, diesem schaurigen Kammerspiel, bei dem ich nie so richtig wusste, ob die Figuren nun Rollen spielen oder auch nicht.

Marisha Pessl erschafft Welten, in denen man sich verliert – obwohl (oder gerade weil) sie einen dabei ein wenig frösteln lassen. Inszenierung, Setting, Figuren: Alles greift ineinander und trägt diese ganz eigene Handschrift, die ich so an ihr liebe.

Und dann ist da noch das Cover. Schwarz, leicht holographisch, geheimnisvoll. Eine wunderbare Gestaltung, die den Ton des Buches perfekt einfängt.

Ein Spiel, das sich selbst kommentiert

So sehr ich im Sog der Geschichte war – beim Ende hat es für mich einmal kurz gehakt. Ich hätte mir ein etwas längeres Ausklingen gewünscht, vielleicht ein Kapitel mehr. Und während ich noch „schade“ denke, macht Marisha Pessl genau das, was sie so besonders macht – und hebt das Ganze auf eine Meta-Ebene und lässt eine Figur sagen:

Hat noch jemand das Gefühl, das Ende kam ein bisschen plötzlich?

Seite 450

Ich liebe es!

Fazit

„Darkly“ ist ein düsterer, geheimnisvoller und atmosphärisch dichter Jugendthriller, der vor allem durch seine besondere Erzählweise und seinen starken Sog überzeugt. Ich war gefesselt von Ton, Setting und dieser ganz eigenen Pessl-Magie. Nur das Ende kam mir etwas zu abrupt, aber selbst das wird hier von Marisha Pessl charmant ins Spiel integriert.


Darkly von Marisha Pessl.

Am 24.03.2026 im Insel Verlag erschienen.
Übersetzt von Katrin Segerer und Jennifer Michalski.
ISBN: 978-3-458-64595-5 / 525 Seiten

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2 Kommentare

BuchBesessen 1. Mai 2026 - 19:56

Liebe Marie,

ich musste gerade richtig schmunzeln bei dem Ende! Erst denkst du, es kommt zu abrupt – und dann macht das Buch genau das selbst zum Thema. Wie cool ist das denn?! :)

Danke für den Einblick!

Antworte
Marie 2. Mai 2026 - 11:45

Sehr gerne, liebe Jessica ☺️ Das war so clever gemacht! So macht Literatur einfach Spaß.

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