Von David Foenkinos kannte ich bisher nur „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ (als Hörbuch) – und mochte es sehr. Als ich dann die Inhaltsangabe von „Das glückliche Leben“ gelesen habe, war ich sofort neugierig. Eine Geschichte über Neuanfang, Selbstreflexion und die Frage, was ein wirklich glückliches Leben ausmacht? Genau mein Thema.
Worum geht es in „Das glückliche Leben“?
Im Mittelpunkt steht Éric, der zu Beginn der Geschichte völlig ausgebrannt ist. Auf einer Geschäftsreise nach Seoul gerät er eher zufällig in ein „Happy Life“, wo Menschen ihre eigene Fake-Beerdigung erleben, um ihr Leben neu zu betrachten. Éric lässt sich darauf ein – und trifft danach eine radikale Entscheidung.
»Man sollte ja sogar, um das Leben noch mehr zu lieben, einmal gestorben sein.« Charlotte Salomon
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Zurück in Paris kündigt er seinen Job, ordnet sein Leben neu und bringt das Ritual nach Frankreich. Als seine Ex-Chefin Amélie davon erfährt, kreuzen sich ihre Wege erneut – und es beginnt eine leise Geschichte über Neuanfang, Mut und die Frage, was ein glückliches Leben wirklich bedeutet.
Leise erzählt
Foenkinos hat mich vor allem durch seine genaue Beobachtung überzeugt. Er beschreibt innere Zustände sehr klar: Müdigkeit, Sehnsucht, das Gefühl, im eigenen Leben nur noch zu funktionieren. Das wirkt nie überdramatisiert, sondern ehrlich und nahbar.
»Was hast du überhaupt gemacht die letzten Jahre?« »Ich bin bis in die hintersten Winkel der Desillusionierung vorgedrungen«, sagte Amélie. »Klingt sympathisch.« »Spotte nicht … Und was hast du gemacht?« »Ich habe wieder angefangen zu leben.«
Seite 215
Der Ton bleibt leicht, teilweise humorvoll, dann wieder nachdenklich. Die Sprache ist zugänglich und die Kapitel sind kurz, was dem Roman ein gutes Tempo gibt. Es passiert nichts wirklich Spektakuläres, aber genau das passt zur Geschichte. Und je länger man liest, desto mehr gewinnt „Das glückliche Leben“ an emotionaler Tiefe.
Authentische Figuren
Éric ist anfangs eher passiv, fast blockiert. Als Leserin komme ich ihm nur langsam näher. Seine Entwicklung wirkt dadurch glaubwürdig. Auch Amélie bekommt Raum: zunächst ehrgeizig und kontrolliert, später deutlich verletzlicher. Zwischen beiden entsteht eine leise Liebesgeschichte, die angenehm unaufgeregt bleibt und auf Kitsch verzichtet.
Für wen ist das Buch?
- für Menschen, die ruhige, kluge Romane über Lebensentwürfe mögen
- für alle, die sich mit Fragen nach Sinn, Neuanfang und Selbstreflexion beschäftigen
- ideal für eine nachdenkliche Lesephase
- weniger geeignet, wenn ihr viel Tempo oder große Dramatik erwartet
Fazit
„Das glückliche Leben“ ist ein stiller, kluger Roman über die Frage, wie man seinem eigenen Leben wieder näherkommt. Kein großes Drama, sondern eine ruhige Geschichte, die zum Nachdenken anregt und besonders im letzten Drittel emotional berührt.
Das glückliche Leben (OT: La vie heureuse )
von David Foenkinos.
Am 04.09.2025 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.
Übersetzt aus dem Französischen von Christian Kolb.
ISBN: 978-3-462-00792-3 / 224 Seiten
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