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„In Zeiten des Tulpenwahns“ von Susanne Thomas

von Marie
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Ich habe einen kleinen Garten, in dem so einiges blüht – auch Tulpen, wenn ihre Knollen nicht gerade von einer Wühlmaus gefressen wurden. Ich mag Tulpen, aber als Wahn würde ich meine Begeisterung nicht gerade bezeichnen. Noch weniger würde ich sehr viel Geld für spezielle Sorten ausgeben.

Tulpen als Spekulationsgeschäft

In Susanne Thomas‘ Historienroman In Zeiten des Tulpenwahns, das im Holland des 17. Jahrhunderts spielt, wird nicht nur sehr viel Geld für einzelne Exemplare bezahlt, es werden auch Anteilscheine an Tulpen gehandelt. Das Spekulationsgeschäft bläht sich immer weiter auf – bis, nun ja, wir wissen alle, was mit Blasen passiert…

Zu Beginn des Buches ist der Gärtner Nicolaes Verbeeck weit entfernt davon, mit seinen Tulpen Handel zu betreiben. Er erfreut sich einfach an den wunderschönen Blumen, versucht sich an besonderen Züchtungen und fachsimpelt mit seinen Nachbarn. Nur eine Sache liebt er mehr als seine Tulpen und das ist seine Tochter Margriet. Als diese sich in einen adeligen Mann verliebt und Nicolaes eine hohe Mitgift auftreiben muss, gewinnt das Spekulationsgeschäft an Reiz.

Liebe, Hass und Tod

Wer findet, dass sich das nach einer locker-leichten Liebesgeschichte mit ein wenig Tulpenhandel anhört, dem sei gesagt – da kommt noch mehr! Denn an Dramatik mangelt es In Zeiten des Tulpenwahns wahrlich nicht. Ich war positiv überrascht, in welche Richtung sich dieser historische Roman entwickelt. Intrigen werden gesponnen, es wird betrogen und gelogen, auch vor Mord scheut man nicht zurück. Sehr gut hat mir gefallen, dass Susanne Thomas das Ganze nicht in einem rosaroten Ende auslaufen lässt, im Gegenteil! Es geht sehr düster zu in diesem Holland des 17. Jahrhunderts.

Düstere Gemälde

Dazu passt auch hervorragend ein von Susanne Thomas gewähltes Stilmittel, das mal am Anfang des Kapitels, mal mittendrin zu finden ist. Denn immer wieder beschreibt die Autorin eine Szene, als ob sie ein Gemälde beschreibt. Diese zeigen sich ebenfalls recht düster, wenn auch kleine Lichtflecke die Szene erhellen. Eine gelungene Idee, die mich beim Lesen immer wieder begeistert hat.

Wenige Pinselstriche vermögen die Szene zu beschreiben. Ein alter Mann und eine junge Frau am Abendtisch. Die letzten Sonnenstrahlen dringen von der linken Seite durch das Butzenglasfenster und tauchen die Szene in ein warmes, goldenes Licht. Eine einzelne Kerze erhellt zusätzlich den Tisch, auf dem einfache Kreisformen dominieren: ein angeschnittener Laib Brot, ein kleiner Laib Käse und zwei Zinnteller. Das Strahlen des hellen Tischtuchs lenkt den Blick auf die einfache Mahlzeit.

Seite 86

Da macht es auch nicht viel, dass der Erzählstil auf mich manchmal etwas zu geschwollen wirkt. Etwas mehr fällt da schon ins Gewicht, dass es der Geschichte trotz all ihrer Dramatik bisweilen etwas an Spannung mangelt. Susanne Thomas wählt sehr gute Bilder, bei denen ich das Gefühl hatte, Teil des Geschehens zu sein, so bildlich hatte ich die Szenen vor Augen. Aber an einigen Stellen hat mich In Zeiten des Tulpenwahns einfach nicht richtig mitgerissen.

Ein Bösewicht, wie er im Buche steht

Dass die Spannung manchmal ein wenig auf der Strecke bleibt, liegt vielleicht auch daran, dass mir bei einigen Charakteren die Entwicklung fehlte. Hier bleibt einiges im Vagen und Unklaren. Vor allem der Werdegang des „Bösewichts“ hätte mich interessiert. Sein allumfassender Rachefeldzug war nämlich geschickt eingefädelt. Aber seine Entwicklung findet leider in einem Zeitsprung statt. Apropos Charaktere: Nicolaes hat es mir besonders angetan. Ein toller Mann, der mit so viel Leid und Elend in Berührung kommt. Ihm hätte ich mehr Gutes gewünscht. Seine Tochter fand ich hingegen etwas blass, allerdings war sie mit ihrem angepassten Verhalten wohl ein Bild ihrer Zeit.

Fazit

Ein sehr guter Historienroman, der eine düstere und sehr dramatische Geschichte erzählt und mit sehr gelungenen Bildbeschreibungen punktet. Obwohl es mir ab und an etwas an Spannung mangelte, ist In Zeiten des Tulpenwahns ein lesenswerter Roman.


Herzlichen Dank an die Autorin für das Rezensionsexemplar, das im Ruhland Verlag erschienen ist.

Wer sich für die spannende Entstehungsgeschichte zu In Zeiten des Tulpenwahns interessiert, kann sie auf dem Blog der Autorin nachlesen.

1 Kommentar

Lesejahr 2021 - Wörter auf Papier 26. Oktober 2021 - 20:13

[…] Lesejahr 2021 […]

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