Die Welt in Seiten von Henry Hitchings
Rezension

Die Welt in Seiten

Als bibliophiler Mensch liebe ich es, Bücher zu lesen, in denen Bücher und Buchhandlungen thematisiert werden. Ich nehme an, dass es vielen buchbegeisterten Lesern ähnlich geht. In dem Essayband Die Welt in Seiten schreiben Autorinnen und Autoren über Orte, an denen Bücher verkauft werden.

Die besten Buchhandlungen sind Orte, in denen das Prinzip der glücklichen Fügung – das, vereinfacht gesagt, darin besteht, das Buch zu finden, das man braucht, wenn man noch gar nicht weiß, dass man es braucht – in seiner ganzen Herrlichkeit zutage tritt.

Die Welt in Seiten, Seite 71

Die 15 Essays plus einer Einleitung des Herausgebers Henry Hitchings sind so unterschiedlich, wie es Texte von verschiedenen Autoren eben sind und alle haben ihren ganz eigenen Ton. Humorvoll, geistreich, anspruchsvoll und manchmal auch etwas provokant kommen die Texte daher. Doch sie alle vereint die Liebe zum Buch und zu den Buchhandlungen.

Die Welt in Seiten entfacht Reiselust

Einige Autoren gehen das Thema etwas distanzierter an, einige sprühen nur so vor Begeisterung und schreiben derart lebendig über eine bestimmte Buchhandlung, dass ihre Texte sofort Reiselust entfachen. Eine Reiselust, die um die ganze Welt führen würde, da die Buchläden (sofern sie noch existieren) unter Anderem in Nairobi, Peking, Kopenhagen oder Delhi zu finden sind.

Zu meinen Lieblingsgeschichten gehört die des Buchkritikers und Pulitzer-Preis-Gewinners Michael Dirda, der sich als großer Freund von Secondhand-Buchläden entpuppt. Seine Büchersammlung ist zwar ungezählt, nach seiner Schätzung beläuft sie sich aber auf 15.000 bis 20.000 „und vielleicht mehr“. Aufgrund dieser unfassbaren Menge ist er auch stolzer Mieter eines Bücherlagerraums. Mitreißend berichtet Michael Dirda über die besonderen Bücher, die er während seiner Streifzüge durch die Secondhand-Buchläden ergattern konnte. Eine solch erfolgreiche Bücherjagd wird unter amerikanischen Sammlern übrigens „a good day’s booking“ genannt, schreibt Michael Dirda.

Wenn man ein altes osmanisches Buch öffnete, konnte man auf der ersten Seite ein Gebet sehen, das Kebikec gewidmet war – so heißt der Dschinn, der Bücher vor Staub und Zerstörung schützen soll.

Die Welt in Seiten, Seite 216

Zu ganz anderen Secondhand-Buchläden führt mich die Autorin Elif Shafak. Sie erzählt von Buchläden in Istanbul, die mit allen möglichem Krimskrams vollgestopft sind und deren Belegschaft aus Gras rauchenden Frauen und Männern besteht, die ausschließlich schwarze T-Shirts tragen und denen es völlig egal ist, was die ebenfalls rauchende oder Tee trinkende Kundschaft macht, solange sie nur nichts klauen. Den oben erwähnten Dschinn findet Elif Shafak jedoch in Läden, in denen weder geraucht noch getrunken wird. Das Gebet scheint geholfen zu haben…

Fazit:

Die Welt in Seiten ist ein Buch mit wundervollen Essays, die von humorvoll bis ernst reichen, und die Liebe zum Buch und zu den Buchhandlungen vereinen.


Buchcover: "Die Welt in Seiten" von Henry Hitchings

Titel: Die Welt in Seiten
Originaltitel: Browse: The World in Bookshops
Autor: Henry Hitchings (Hrsg.)
Verlag: Atlantik
Seitenzahl: 224
Genres: Essays
Veröffentlicht: 17.11.2017
ISBN: 978-3-455-00120-4
Übersetzer: Gerhard Henschel

Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch.


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