Rezension

Alter Hund, neue Tricks

Sean Duffy ist zurück! Der scharfsinnige Polizist, der immer einen lockeren Spruch auf den Lippen trägt, lebt mittlerweile mit seiner Frau Beth und seiner Tochter Emma in Schottland und arbeitet nur noch wenige Tage im Monat. Obwohl sich Duffy eigentlich nur noch um den Papierkram kümmern soll, bekommt er von seinem Chief Inspector McArthur einen „ziemlich unkomplizierten kleinen Mord“ auf Auge gedrückt. Doch wer die Duffy-Reihe kennt, weiß, dass dieser Mord natürlich weder unkompliziert noch klein ist – und auch nicht der einzige Mord bleiben wird.

Die Duffy-Reihe lebt von seinem Protagonisten, der selbst mich als nur gelegentliche Krimi-/Thriller-Leserin abholt. Duffy legt sich mit jedem an, ob gut oder böse, Freund oder Feind. Seinem Gegenüber haut er mit Vorliebe fremdsprachige Zitate oder Gedichte um die Ohren und bringt mit seiner lockeren Zunge alle aus der Fassung. Bisweilen hat sich Duffy allerdings nicht im Griff und gerät damit gerne in brenzlige Situationen. Selbstverständlich weiß sich der coole Bulle aber zu wehren – auch wenn er gefesselt einer Pistolenmündung entgegensieht.

Die eigentliche Story gerät bei solch einem präsenten Protagonisten manchmal ein wenig in den Hintergrund, was aber nicht heißen soll, dass „Alter Hund, neue Tricks“ keine spannende Geschichte vorzuweisen hat. Der Mord, der anfangs als unkompliziert galt, zieht weite Kreise und bringt neben der unvermeidlichen IRA auch Geheimagenten auf Trapp. Besonders die Konflikte mit der IRA rückt Adrian McKinty immer wieder in den Mittelpunkt. Kein Wunder, spielt die Geschichte doch Anfang der 90er Jahre in Nordirland. Blutige Auseinandersetzungen sind nach wie vor an der Tagesordnung und immer noch schaut Sean Duffy vor jeder Autofahrt unter seinem Wagen nach, ob dort nicht eine Bombe deponiert wurde. Gleich zu Beginn der Geschichte muss Duffy mehrere Straßensperrungen passieren, an denen maskierte und bewaffnete Männer die Autofahrer schikanieren. Ob und wie man diese Absperrungen passiert, liegt ganz an der Tageslaune der paramilitärischen Truppen. McKinty versteht es sehr gut, diese allgegenwärtige Bedrohung zu vermitteln.

Das mag sich nach einer düsteren Lektüre anhören, dem ist aber nicht so, was natürlich wieder an Sean Duffy liegt. Als Erzähler weiß er einfach, wie er sein Publikum bestens unterhalten kann. Der teilweise schnoddrige und abgehakte Stil ist kurzweiliger Spaß und sorgt dafür, dass man diesen Krimi nicht aus der Hand legen mag.

Fazit: Adrian McKinty hat erneut einen unterhaltsamen und spannenden Krimi geschrieben, der die realen Konflikte in Nordirland thematisiert und mit einem gewohnt genialen Sean Duffy punktet. „Alter Hund, neue Tricks“ ist perfekte Unterhaltung und unbedingt lesenswert!


Alter Hund, neue Tricks
Titel: Alter Hund, neue Tricks
Verlag:
Seitenzahl: 367
Genres: ,
Veröffentlicht: 20.07.2020
Reihe:
ISBN: 978-3518470602
Übersetzer: Peter Torberg
Wenn ihr auf das Coverbild klickt, gelangt ihr zur Verlagsseite, wo ihr weitere Infos zum Buch findet.

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