Startseite RezensionenFantasy & Science-Fiction„Qwert“ von Walter Moers – Begeisterte Rezension des Zamonien-Romans

„Qwert“ von Walter Moers – Begeisterte Rezension des Zamonien-Romans

von Marie
Buch Qwert von Walter Moers auf Holzboden mit Blumen.

Werbung: Herzlichen Dank an den Penguin Verlag für das Rezensionsexemplar.

Wer mir schon länger folgt, weiß es längst: Ich bin absolut begeistert von Walter Moers’ Zamonien-Romanen. Da war natürlich gleich klar, dass „der neue Moers“ auch bei mir einziehen muss. Wie sehr ich mich auf „Qwert“ gefreut habe! Ob sich diese Vorfreude ausgezahlt hat oder ob ich meine Moers-Liebe nach dem Lesen überdenken musste, erfahrt ihr in dieser Rezension.

Ein Prinz aus einer anderen Dimension

Im Zentrum steht der Gallertprinz Qwert Zuiopü, bekannt aus „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“, der durch ein Dimensionsloch aus der 2364. Dimension in die Welt Orméa stürzt. Dort übernimmt er buchstäblich einen Ritterkörper und zieht – begleitet von seinem treuen Knappen Oyo Pagenherz und dem Reitwürmchen Schneesturm – durch eine abenteuerliche Welt.

In dieser Welt war wirklich so einiges nicht, was es zu sein vorgab. Qwert war kein Gallertwesen mehr, sondern ein Ritter namens Prinz Kaltbluth. [..] Und er war auch nicht vorsichtig, wie die Meduse geraten hatte, sondern ein Idiot.

Seite 43

In 43 kurzen, rasant erzählten „Aventiuren“ wird Orméa erkundet, verteidigt, missverstanden und immer wieder kommentiert – auch von der Geschichte selbst.

Sprachfeuerwerk ohne Verschnaufpause

Die größte Stärke von „Qwert“ ist seine enorme Erzählenergie. Moers erzählt nicht nur, er feuert ohne Pausen Salven aus Sprache, Ideen und Bildern ab. Gemessenes Erzähltempo? Fehlanzeige! Moers jagt von Pointe zu Pointe, von Einfall zu Einfall. Wortwitz, Tempo und Einfallsdichte erzeugen einen Sog, der über die fast sechshundert Seiten trägt.

»Bist du jetzt fertig“, fragte die dunkle Stimme aus der Pflanze, sie klang ungehalten und autoritär, »mit deinem eitlen Vortrag über dich selbst? Können wir endlich zum Wesentlichen kommen? Zu mir?«

Seite 177

Ritterparodie mit Slapstick-Momenten

Diese Ritterparodie ist hochverdichtete Referenzkunst: Don Quijote schimmert überall durch – Qwert als gallertiger Ritter der traurigen Gestalt, Oyo als Sancho-Pansa-Pendant, das Reitwürmchen als schneeschnaubende Rosinante-Variation. Dazu kommen Mythen, Sagen und Popkultur: von den Nibelungen über die Artus-Legende bis hin zu Slapstick-Kämpfen, absurden Ritterposen und unsichtbaren Waffen, die wie Monty Python in Buchform wirken.

Bemerkenswert ist, wie Moers diese Anspielungen einsetzt. Sie sind klar erkennbar und treiben das Tempo voran. Wer die Referenzen kennt, erlebt ein Freudenfest des Wiedererkennens. Wer sie nicht erkennt, kann der Geschichte trotzdem problemlos folgen – hat aber vermutlich weniger Aha-Momente.

Skurrile Figuren

Hinzu kommen die Figuren: der Gallertprinz im Heldenkörper, der treue Knappe Oyo, die Janusmeduse Jadusa mit Wendekopf, rostige Gnome und zahlreiche skurrile Nebenfiguren. Wer Walter Moers kennt, weiß, was ihn erwartet. Und diese Charaktere funktionieren nicht nur als Gags, sondern machen Orméa zu einem in sich stimmigen Kosmos.

Zamonien ist präsent

Orméa wirkt eigenständig, obwohl Zamonien subtil präsent bleibt – durch Rückblenden, Cameos und den unverwechselbaren Ton. Zudem treten Figuren aus anderen Zamonien-Romanen auf, so wie Qwert oder Oyo, dem wir unter einem anderen Namen bereits in einem früheren Band begegnet sind (nein, ich verrate nicht, wer er ist).

Für Moers-Fans ist „Qwert“ ein Pflichtprogramm, für Neulinge ist der Roman ebenfalls gut lesbar. Trotzdem würde ich nicht empfehlen, mit diesem Band in die Zamonien-Welt einzusteigen. Wer Moers neu entdecken möchte, greift besser zunächst zu „Die 13 1/2 Leben des Käpt’n Blaubär“ – auch nach vielen Jahren mein persönlicher Lieblings-Moers.

Illustrationen in „Qwert“: ein weiteres Highlight

Und dann sind da natürlich noch die Illustrationen. Sie erweitern den Text sichtbar, machen die Charaktere, die sagenhaft-gefährliche Welt Orméas sowie wunderlich- Details greifbar. Jedes Kapitel wird mit einem eigenen kleinen Wappenbild eingeläutet, jede Aventiure lebt zusätzlich durch ihre brillanten Illustrationen. Für mich sind sie ein wesentlicher Teil des Leseerlebnisses.

Nicht für alle

Ich muss aber auch ganz klar sagen, dass „Qwert“ nichts für Leser ist, die einen ruhigen, reduzierten Stil bevorzugen oder Ernsthaftigkeit suchen. Dieser Roman verlangt Lust am Überbordenden, am Sprachspiel, am erzählerischen Exzess. Wer sich darauf einlässt, wird mit einem sagenhaften Roman belohnt.

»Du hast es überlebt. Was dich nicht umbringt, macht dich zwar nicht stärker, aber es bringt dich auch nicht um. Kennst du den Spruch?« »Nein. Aber was mich nicht umgebracht hat, wird wahrscheinlich demnächst in meinen Alpträumen aufkreuzen.«

Seite 198

Ich habe jeden Satz, jedes Wort von „Qwert“ geliebt und mich daran erfreut, wie sichtbar Moers mit Erzählregeln spielt. Ich sage nur: „Der Einsame Denker denkt uns“!

Zum Schluss ein persönliches Highlight

Zwischen all den zamonischen Absurditäten hält „Qwert“ am Ende noch eine ganz reale Überraschung bereit:
Bei der Vorstellung weiterer Moers-Titel am Schluss des Buches findet sich auch „Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte“. Dort lese ich ein Zitat, das mir sehr bekannt vorkommt – weil es aus einer Rezension von mir stammt. JA! Ein Satz von mir steht in einem Walter-Moers-Buch.

Die Rezension zu „Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte“ findet ihr hier.

Ich musste mehrfach hinschauen und habe vielleicht ein kleines Freudentänzchen aufgeführt. Ich habe mich ein wenig so gefühlt, als wäre ich plötzlich selbst Teil dieses zamonischen Kosmos. Was für ein unerwartetes und sehr persönliches Highlight am Ende eines grandiosen Buches.

Fazit

„Qwert“ ist überbordend, klug und enorm unterhaltsam. Walter Moers zeigt einmal mehr, wie virtuos er mit Sprache, Fantasie und Erzählformen spielt – unterstützt von großartigen Illustrationen, die den Roman zusätzlich tragen. Für mich ist „Qwert“ ein echtes Zamonien-Highlight und eine große Empfehlung für alle, die Zamonien lieben.


Qwert von Walter Moers.

Am 05.11.2025 im Penguin Verlag erschienen.
Illustriert von Walter Moers.
ISBN: 978-3-328-60427-3 / 592 Seiten

Qwert kaufen bei:

Hat dir dieser Beitrag gefallen?
Ja0Nein0

Ich freue mich über deinen Kommentar

* Mit dem Senden des Formulars erkläre ich mich mit der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten durch diese Website einverstanden.

Dir gefällt vielleicht auch...