Die Rezension zu „Die Verlobten des Winters“ ist ursprünglich schon vor einigen Jahren entstanden – lange bevor ich meinen Blog gestartet habe. Für die Neuveröffentlichung hier habe ich den Text überarbeitet.
Worum geht es in „Die Verlobten des Winters“?
Erzählt wird von einer Parallelwelt, die in 21 sogenannte „Archen“ zerbrochen ist und nun von verschiedenen Familienclans bewohnt werden. Auf der Arche Anima lebt Ophelia – unscheinbar, mit Brille und dickem Schal, eher unbeholfen als heldenhaft. Doch sie besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten: Sie kann durch Spiegel reisen und durch Berührung die Vergangenheit von Gegenständen lesen.
Ihr ruhiges Leben ändert sich schlagartig, als sie erfährt, dass sie den Adligen Thorn von der fernen Arche Pol heiraten soll. Eine arrangierte Verbindung, politisch motiviert, ohne Mitspracherecht. Ophelia verlässt ihre Heimat und findet sich in einer fremden, kalten Welt wieder, in der Intrigen, Machtspiele und undurchsichtige Figuren den Alltag bestimmen.
Ein faszinierendes Universum
Was Christelle Dabos hier erschaffen hat, ist mehr als nur ein Fantasy-Setting. Die Archen wirken eigenständig, durchdacht und atmosphärisch dicht. Besonders die Arche Pol mit ihrem frostigen Hofstaat, ihren starren Regeln und ihren verborgenen Machtstrukturen hat mich sofort gepackt.
Die Geschichte lebt weniger von großen Schlachten als von Spannung zwischen den Figuren. Wer spielt welches Spiel? Wer sagt die Wahrheit und wer manipuliert? Dieses permanente Gefühl des Nicht-Wissens sorgt für einen besonderen Reiz.
Ophelia – leise, aber stark
Ophelia ist keine klassische Heldin. Sie ist zurückhaltend, zweifelt, stolpert, beobachtet. Und genau das macht sie so stark. Hinter ihrer scheinbaren Unsicherheit steckt eine enorme innere Stärke, die sich im Laufe der Geschichte immer deutlicher zeigt. Ihre Entwicklung gehört für mich zu den schönsten Aspekten des Romans. Ich mochte sie sehr!
Auch die Nebenfiguren sind herrlich eigenwillig: die griesgrämige Mutter Hildegard, der unheimliche Kavalier, der definitiv nichts Gutes im Schilde führt (oh nein!) , und natürlich Thorn – kühl, distanziert und bis zum Schluss schwer zu durchschauen. Ich wusste am Ende des ersten Bandes immer noch nicht genau, was ich von ihm halten soll und genau das mochte ich.
Und dann ist da noch Ophelias Schal. Ja, ihr Schal. Allein der Satz: „Man präsentiert sich am Hofe des Pols nicht mit einem unerzogenen Schal um den Hals“ – so ist es wohl.
Erwartungen und Vergleiche
Zur Erstveröffentlichung wurde das Buch mit „Harry Potter“ verglichen, was ich nicht gut fand. Solche Vergleiche wecken nämlich Erwartungen, die unnötig sind. „Die Verlobten des Winters“ steht völlig für sich: mit eigener Sprache, eigener Atmosphäre und eigener Magie.
Für wen ist das Buch?
- für Menschen, die komplexe Fantasy-Welten lieben
- für alle, die starke, leise Heldinnen schätzen
- für Fans von Intrigen, höfischer Spannung und langsamer Figurenentwicklung
Fazit
„Die Verlobten des Winters“ ist ein atmosphärischer, klug konstruierter Fantasy-Auftakt mit einer ungewöhnlichen Heldin und einer faszinierenden Welt. Christelle Dabos ist hier ein beeindruckendes Debüt gelungen. Für mich war und ist dieser erste Band der Spiegelreisenden-Saga der Beginn einer ganz besonderen Reise – und eine klare Leseempfehlung für alle, die sich gern in fremde Welten entführen lassen.
Die Verlobten des Winters (OT: Les Fiancés de l’hiver. La Passe-miroir 1) von Christelle Dabos.
Am 12.03.2019 im Insel Verlag erschienen.
Aus dem Französischen übersetzt von Amelie Thoma.
ISBN: 978-3-458-17792-0 / 535 Seiten
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