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„Der Buchspazierer“ von Carsten Henn

von Marie
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Beitragsbild zu Der Buchspazierer

Ich liebe den Januar, was daran liegen könnte, dass es mein Geburtstagsmonat ist und ich mich immer über viele Buchgeschenke freuen darf. :) Diesmal lag auf meinem Geburtstagstisch u. a. Der Buchspazierer von Carsten Henn, ein Geschenk meines Göttergatten. Ich muss sagen, er hat einen guten Geschmack (das wusste ich natürlich schon vorher ;-) ): Das Buch war wunderbar!

Ein besonderer Lieferdienst

Dass Der Buchspazierer wunderbar werden wird, hatte ich schon nach der Inhaltsangabe vermutet. Es geht um den Buchhändler Carl, der tagtäglich einen ganz besonderen Spaziergang durch seine Kleinstadt macht. Er liefert Bücher an Menschen aus, die ihr Haus wenig bzw. gar nicht verlassen. Eines Tages heftet sich ein kleines Mädchen namens Schascha an Carls Fersen und sorgt für allerlei Wirbel.

Das geschriebene Wort wird immer bleiben. Weil es Dinge gibt, die auf keine Art besser ausgedrückt werden können. Und der Buchdruck ist die beste Konservierungsmethode für Gedanken und Geschichten. Darin können sie Jahrhunderte überdauern.

Seite 11

Carl ist ein zauberhafter Mensch. Belesen, ruhig, mit einem großen Herzen. Obwohl er bereits im Rentenalter ist, trägt er täglich und mit Freude die bestellten Bücher aus. Für ihn ist es kein Beruf, es ist sein Lebensinhalt. Die Menschen, denen er die Bücher bringt, hat er nach bekannten Romanfiguren benannt. Eine ältere Dame, die gerne verschiedenfarbige Socken trägt und witzige Sprachspiele mit ihm macht, nennt er Frau Langstrumpf. Ein junger wohlhabender Mann, der abgeschieden in seiner Villa lebt, ist Mr. Darcy.

Was für ein tolles Detail! Umso mehr, als dass der Leser im Laufe des Buches herausfindet, dass die Namen tatsächlich recht passend gewählt sind. Obwohl sich die Menschen alle hinter ihren Türen verstecken und diese meist nur öffnen, um das bestellte Buch aus Carls Händen zu nehmen, sickern doch immer weitere Details ihrer eigenen Geschichten durch die Tür.

Weißt du, die Menschen vergessen immer mehr zu lesen. Dabei sind Menschen zwischen den Deckeln, ihre Geschichten. In jedem Buch ist ein Herz, das zu pochen beginnt, wenn man es liest, weil das eigene Herz sich mit ihm verbindet.

Seite 46

Einige der Geschichten sind bitter und schmerzhaft. Carl weiß das, aber er will sich nicht in ihre Leben einmischen. Es braucht erst ein neunjähriges Mädchen. Mit Schascha an seiner Seite nähert er sich den Menschen, spricht mit ihnen, hilft ihnen. Schließlich treten einige nach langer Zeit wieder vor die Tür, schließen sie endgültig hinter sich und öffnen neue. Die Liebe zu den Büchern hat sie zuvor nur im Geiste vereint, nun kommen sie sich auch räumlich nahe.

Warmherzig

Obwohl die unterschiedlichen Lebensgeschichten bisweilen traurig sind und auch Carl in eine große Misere schliddert, hat mich Der Buchspazierer nicht betrübt. Im Gegenteil: Carsten Henn hat eine charmante Geschichte geschrieben, die einfach glücklich macht. Dazu tragen auch die liebevoll gezeichneten Charaktere bei. Carl würde ich sofort auf seinem Buchspaziergang begleiten und Schascha ist ein aufgewecktes Mädchen mit viel emotionaler Intelligenz. Auch die „literarischen Figuren“ sind toll beschrieben.

Fazit

Der Buchspazierer ist eine märchenhafte Geschichte für Menschen, die Bücher und das Lesen lieben. Ein ruhiger, warmherziger und bezaubernder Roman.


Auf der Verlagsseite findet ihr weitere Infos zum Buch und zum Autor.

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