Startseite RezensionenRomane„Real Americans“ von Rachel Khong – Eine bewegende Familiengeschichte über Identität und Herkunft

„Real Americans“ von Rachel Khong – Eine bewegende Familiengeschichte über Identität und Herkunft

von Marie
Buch „Real Americans“ von Rachel Khong auf hellem Holzboden mit dekorativen Blumen arrangiert – minimalistische Buchinszenierung für Rezension

Werbung: Herzlichen Dank an Kiepenheuer & Witsch für das Rezensionsexemplar.

Ich mag Geschichten, die auf mehreren Zeitebenen spielen, deshalb war für mich schnell klar, dass ich „Real Americans“ von Rachel Khong lesen möchte. Ob der Roman meine Erwartungen erfüllen konnte, erzähle ich euch hier.

„Real Americans“ – eine Familiengeschichte in drei Akten

Der Roman ist in drei Teile gegliedert und startet im New York des Jahres 1999. Dort lerne ich Lily kennen, die Tochter chinesischer Einwanderer, die sich mit einem schlecht bezahlten Job über Wasser hält. Sie bewegt sich in einer Welt, der sie sich nicht so richtig zugehörig fühlt.

Als sie Matthew, den Erben eines Pharmaunternehmens, trifft, prallen zwei Lebensrealitäten aufeinander. Was zunächst wie ein modernes Märchen wirkt, bekommt schnell Risse. Zwischen den beiden liegt mehr als nur ein unterschiedlicher Hintergrund: Es geht um Macht, Zugehörigkeit und unausgesprochene Erwartungen.

Ich bin sehr gut in die Geschichte hineingekommen und war sofort drin. Anfangs wirkt alles wie eine klassische Liebesgeschichte, doch nach und nach gewinnt der Roman deutlich an Tiefe.

Um uns herum funkelte fröhlich die Stadt. Und über das Gefühl, verliebt zu sein, legte sich etwas Tückisches – die Überzeugung, dass dies nicht von Dauer sein konnte. Ich gehörte nicht hierher. Natürlich gehörte ich nicht hierher.

Seite 44

Nicks Suche nach sich selbst

Der zweite Teil springt mehr als zwanzig Jahre nach vorn. Lily lebt inzwischen zurückgezogen mit ihrem Sohn Nick auf einer Insel nahe Seattle. Über seinen Vater wird geschwiegen, selbst sein Name fällt nicht. Diese Leerstelle prägt Nicks gesamtes Aufwachsen. Als er beginnt, seine Herkunft mithilfe eines Gentests zu erforschen, setzt das eine Entwicklung in Gang, die weit mehr als nur Nicks Leben beeinflusst.

Ich mochte diesen Teil besonders gern. Die Atmosphäre ist dicht, die Figuren nahbar, und ich konnte Nicks Gedanken und Motive sehr gut nachvollziehen.

Wenn die Vergangenheit sichtbar wird

Im dritten Teil, der im Jahr 2030 spielt, rückt Lilys Mutter May in den Fokus. Sie erzählt von ihrer Jugend im China der Mao-Ära – von politischem Druck, Entbehrung und Flucht. Diese Rückblicke bringen eine neue Perspektive in die Geschichte und verleihen ihr zusätzliche Tiefe. Gleichzeitig fordert dieser Teil der Geschichte auch die größte Aufmerksamkeit. Hier bekommt der Roman nämlich einen sehr nachdenklichen und schon fast philosophischen Ton.

Vor allem mochte ich in diesem letzten Abschnitt, wie sich vieles zusammenfügt: Details werden klarer, Zusammenhänge greifbarer.

Leise erzählt

„Real Americans“ ist eine vielschichtige Familiengeschichte über drei Generationen hinweg. Themen wie Identität, Migration, Herkunft und gesellschaftliche Unterschiede greifen ineinander, ohne den Roman zu überladen.

Der Schreibstil ist klar, ruhig und feinfühlig. Trotz der großen Themen liest sich der Roman angenehm flüssig und entwickelt einen leisen Sog. Besonders gelungen fand ich, wie sich nach und nach kleine Puzzleteile zu einem stimmigen Gesamtbild zusammensetzen. Auch die Mischung aus Liebesgeschichte, Coming-of-Age und Familienroman funktioniert gut, wobei mich die drei Teile unterschiedlich stark abgeholt haben.

Fazit

„Real Americans“ ist ein kluger, ruhiger Roman, der große Fragen stellt, dabei aber zurückhaltend bleibt. Nicht jeder Teil hat mich gleichermaßen mitgenommen, aber insgesamt ergibt sich eine stimmige Geschichte über Herkunft, Identität und die Wege, die ein Leben nehmen kann. Ein Roman, der zum Nachdenken anregt und den ich gerne empfehle.


Real Americans von Rachel Khong.

Am 12.02.2026 bei Kiepenheuer & Witsch erschienen.
Übersetzt aus dem Englischen von Tobias Schnettler.
ISBN: 978-3-462-00572-1 / 528 Seiten

Real Americans kaufen bei:

Hat dir dieser Beitrag gefallen?
Ja0Nein0

Ich freue mich über deinen Kommentar

* Mit dem Senden des Formulars erkläre ich mich mit der Speicherung und Verarbeitung meiner Daten durch diese Website einverstanden.

Dir gefällt vielleicht auch...