Werbung: Herzlichen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für das Rezensionsexemplar.
Ein einziges Wort kann alles verändern. In „Hazel sagt nein“ von Jessica Berger Gross ist es genau dieses Nein, das eine Kettenreaktion auslöst – und mich sofort neugierig gemacht hat. Ob der Roman diese starke Ausgangsidee auch trägt, lest ihr hier.
Worum geht es in „Hazel sagt nein“?
Die Familie Blum verlässt Brooklyn und zieht in die Kleinstadt Riverburg. Vater Gus hat dort endlich eine Professur bekommen, die Familie hofft auf einen ruhigeren Neuanfang. Doch die vermeintliche Idylle trügt.
Manche Leute – Highschool-Englischlehrer, Großmütter im Bus, Joan Didion, Hazels Mutter – behaupten, dass sich innerhalb eines Augenblicks alles ändern kann.
Seite 11
Bereits an ihrem ersten Schultag wird die achtzehnjährige Hazel ins Büro des Direktors gerufen. Dort konfrontiert er sie mit einer erschütternden Selbstverständlichkeit: Jedes Jahr wählt er eine Schülerin aus dem Abschlussjahrgang für eine sexuelle Beziehung. In diesem Jahr sei Hazel an der Reihe. Aber Hazel sagt Nein. Dieses instinktive, klare Nein setzt eine Dynamik in Gang, die nicht nur Hazels Leben verändert, sondern auch das ihrer Familie und der gesamten Stadtgemeinschaft.
Eine starke Hauptfigur im Zentrum
Hazel ist eine vielschichtige Hauptfigur: klug, reflektiert, verletzlich und entschlossen. Besonders überzeugend ist, wie ruhig dieses Nein erzählt wird – ohne Pathos, ohne große Gesten. Gerade darin liegt seine Kraft. Hazel zieht eine Grenze und muss anschließend mit den Konsequenzen leben.
Gleichzeitig wirkt sie in ihrer inneren Klarheit stellenweise sehr erwachsen für ihr Alter. Mit gerade einmal achtzehn Jahren agiert sie oft erstaunlich analytisch und souverän. Das verleiht der Figur Tiefe, wirkte auf mich aber nicht immer ganz glaubwürdig. Allerdings schließe ich da auch von mir auf andere, da ich in diesem Alter nicht besonders souverän war.
Viele Themen, wenig Fokus
Jessica Berger Gross greift zahlreiche wichtige Themen auf: Machtmissbrauch an Schulen, Familienkonflikte, Umzug, Coming-of-Age, Kleinstadtstrukturen, soziale Medien, Mobbing und Karrierefragen. Diese thematische Fülle ist einerseits ambitioniert, andererseits eine Schwäche des Romans.
Nicht alle Erzählstränge bekommen genug Raum. Immer wieder werden interessante Aspekte angerissen, aber nicht konsequent vertieft. Ein stärkerer Fokus auf Hazel und ihre Perspektive hätte der Geschichte mehr emotionale Wucht verliehen. Auch die übrigen Familienmitglieder bleiben trotz eigener Kapitel etwas auf Distanz.
Perspektivwechsel, Glaubwürdigkeit und Täterdarstellung
Wie bereits geschrieben wechselt der Roman zwischen den Perspektiven verschiedener Familienmitglieder. Das erweitert den Blick auf die Folgen von Hazels Nein, verwässert aber stellenweise den erzählerischen Fokus. Einige Entwicklungen wirken zudem nicht immer vollständig nachvollziehbar. Auch die Übersetzung empfand ich an manchen Stellen als etwas holprig.
Die Täterfigur – der Direktor – bleibt bewusst blass. Er wird klar als Machtmissbraucher markiert, erhält aber kaum psychologische Tiefe. Das vermeidet jede Relativierung, vereinfacht die Auseinandersetzung mit strukturellem Missbrauch jedoch etwas.
Warum das Buch wichtig ist
Trotz dieser Schwächen ist „Hazel sagt nein“ ein relevanter und diskussionswürdiger Roman. Er eignet sich hervorragend als Gesprächsanstoß – über Machtstrukturen an Schulen, über institutionelles Wegsehen und über die enorme Last, die auf einer einzelnen Person liegt, wenn sie sich gegen Missbrauch stellt.
»Hazel, aufstehen.« ›Gleich.« Dreißig Sekunden lang war sie die gewohnte Hazel, dann erinnerte sie sich an den gestrigen Tag und wurde die Hazel, die am Arsch war.
Seite 77
Besonders eindrucksvoll ist die klare Botschaft: Ein Nein ist richtig und notwendig, aber seine Folgen sind komplex und schmerzhaft.
Passende Bloggerbox
Sehr gelungen fand ich auch die Bloggerbox, die mir der Verlag zugeschickt hat – vor allem, weil sie inhaltlich so wunderbar zum Roman passt. Die enthaltenen Goodies greifen Dinge auf, die im Buch selbst eine Rolle spielen, was der Box eine besondere Stimmigkeit verleiht.
Hazel nahm ihren »Books Are Magic“-Stoffbeutel, der eine Kladde, einen HB-Bleistift, einen schwarzen Füller, ihren Hausschlüssel, einen Tampon und den neusten Roman von Sally Rooney enthielt.
Seite 12
Selten habe ich eine Bloggerbox erlebt, die so durchdacht und nah am Text gestaltet war – ein schönes Detail, das das Leseerlebnis noch einmal ergänzt.

Lesetipps
- geeignet für Leserinnen, die gesellschaftlich relevante Themen mögen
- gut für Lesekreise oder Buchclubs
- empfehlenswert, wenn ihr euch für Fragen von Konsens, Macht und Selbstbestimmung interessiert
- weniger geeignet für alle, die einen stark fokussierten, reduzierten Plot erwarten
Fazit
„Hazel sagt nein“ ist ein engagierter, gut lesbarer Debütroman mit einer starken zentralen Figur und einem hochrelevanten Thema. Trotz erzählerischer Überfrachtung entfaltet das entschlossene Nein der Protagonistin eine nachhaltige Wirkung. Ein Buch, das nicht perfekt ist – aber eines, das zum Nachdenken und Weiterdenken einlädt, besonders über Selbstbestimmung und Machtmissbrauch.
Hazel sagt nein (OT: Hazel says no ) von Jessica Berger Gross.
Am 02.02.2026 im Lübbe Verlag erschienen.
Übersetzt von Angela Koonen.
ISBN: 978-3-7577-0196-3 / 384 Seiten
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