Rezension

Wörter auf Papier

Der elfjährige Victor steht im Sommer 1959 vor einer großen Herausforderung – er übernimmt vertretungsweise die Zeitungsroute seines besten Freundes. Einer Aufgabe, der Victor teils freudig, teils voller Angst entgegenblickt. Freudig, da er endlich eine Aufgabe erhält, für die er allein verantwortlich ist. Ängstlich, da Victor mit Fremden sprechen muss und sprechen ist für ihn eine Herausforderung. Er kann kaum ein Wort sagen, ohne zu stottern, nicht einmal seinen eigenen Namen bringt er hervor. Dennoch muss Victor jeden Freitag das Zeitungsgeld kassieren, Worte sind dafür unumgänglich.

Du wirst eine Stimme finden, vielleicht nicht die Stimme, die du dir aussuchen würdest, aber sie wird dir gute Dienste leisten.

Klappentext

Für den Jungen wird dieser Sommer unvergesslich. Nicht nur wird er in viele schöne, aber auch schmerzhafte Situationen gestoßen und wird mit Rassenkonflikten konfrontiert; er trifft auch auf einen pensionierten Seefahrer der Handelsmarine, der Victor mit seiner ganz besonderen Art bei seinen Sprachproblemen unterstützt. Und am Ende kann Victor sagen: Bin ich vom Stottern geheilt? Nein. Habe ich es besiegt? Ja.

Diese Worte sagt Victor nicht selbst, vielmehr nutzt der Autor Vince Vawter sie in seinem Nachwort und meint damit sich selbst! Denn Vince Vawter hat in Wörter auf Papier viel von seiner eigenen Biographie einfließen lassen. Auch er hatte und hat mit dem Stottern zu kämpfen und bringt uns dieses Thema durch diese wunderbare Geschichte nahe. Als sein Sprachrohr hat Vince Vawter einen sensiblen Jungen gewählt, der mir schon nach wenigen Seiten ans Herz gewachsen ist.

Wörter in der Luft verwehen, kaum dass man sie gesagt hat, aber Wörter auf Papier bleiben für immer.

Seite 284

In dem heißen Sommer 1959 wird Victor viel über sich und seine Mitmenschen herausfinden. Er entdeckt ein Familiengeheimnis, trifft auf gute und weniger gute Menschen und hegt das erste Mal Gefühle für ein weibliches Wesen, der schönen Mrs. Worthington, die einsam trinkend auf ihrer Veranda sitzt, einen lauten Ehemann hat und zwischendurch Besuch von ihrem „Cousin“ bekommt.

Mrs Worthington und ihre roten Haare. Das war mein Gedankennachtisch.

Seite 198

Gedanken macht sich Victor aber auch über die Rassentrennung, die nicht nur in seiner Heimatstadt Memphis allgegenwärtig ist. Seine schwarze Nanny, die er Mam nennt, darf z. B. nur hinten im Bus sitzen und nur an bestimmten Tagen ist es ihr erlaubt, mit ihm in den Zoo zu gehen. Oft fragt er seine Nanny, ob sie nicht wütend darüber ist, doch Mam sagt, so wären die Regeln. Das würde nicht bedeutet, dass sie richtig sind, aber es gibt sie nun einmal. Victor versteht das alles nicht und bezeichnet diese Drangsalierungen offen, wie es nur Kinder können, als „noch mehr alberne Erwachsenenregeln.“

Fazit: Wörter auf Papier ist ein ganz bezauberndes Kinder- und Jugendbuch über einen Jungen, der sein Stottern besiegt. Doch auch Themen wie Freundschaft, Familie und Rassenkonflikte finden in Vince Vawters Debüt Platz. Ein Buch, das Kinder und Erwachsene gleichsam begeistern wird.


Wörter auf Papier
Titel: Wörter auf Papier
Seitenzahl: 288
Genre:
Veröffentlicht: 21.10.2014
ISBN: 978-3551560018
Übersetzer: Ingo Herzke
Wenn ihr auf das Coverbild klickt, gelangt ihr zur Verlagsseite, wo ihr weitere Infos zum Buch findet.

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